Kaufbeuren / Mauerstetten
Durchlauferhitzer unter Tage

Auf der Geothermie-Anlage zwischen Mauerstetten und Kaufbeuren wächst die Zuversicht, doch noch saubere Energie gewinnen zu können. Die Betreiberfirma Exorka prüft derzeit die Möglichkeiten für ein sogenanntes petrothermales System. Nachdem heißes Tiefenwasser aufgrund der zu geringen Schüttungsmengen nicht gefördert werden konnte (wir berichteten), plant das Unternehmen nun, mit dieser Methode die Energie des heißen, aber trockenen Gesteins zu nutzen. Dabei wird Wasser durch die Gesteinsrisse gepumpt, das dort die Wärme aufnimmt, bevor es die Energie an die Erdoberfläche bringt - wie bei einem Durchlauferhitzer.

«Nach einiger Zeit sehen wir in Mauerstetten mittlerweile einen seltenen Glücksfall», so Exorka-Geschäftsführer Curd Bems. Der Fachwelt sei schon immer klar gewesen, dass die hydrothermalen Systeme, bei denen heißes Tiefenwasser gefördert wird, quasi nur eine «sinnvolle Brückentechnologie» darstellen, bis petrothermale Systeme sicher und wirtschaftlich hergestellt werden können. Das größte Hemmnis bei der Entwicklung sei dabei die erste Bohrung. «Noch gibt es wenig Erfahrung mit diesen Systemen, und damit Investitionsrisiken», so Bems. «Wir jedoch haben nun unser erstes Loch bereits gebohrt.» Wie berichtet, hatte sich das Geothermie-Team bis auf eine Tiefe von rund 4500 Meter vorangearbeitet; zudem zweigt vom Hauptloch eine abgelenkte Bohrung ab. Exorka setzt trotz aller Risiken große Hoffnung in den neuen Plan.

Der englischsprachige Überbegriff für diese künstlichen Wärmetauschersysteme ist Enhanced Geothermal Systems (EGS), übersetzt «verbesserte geothermische Systeme». Dass auch der Gesetzgeber von diesem Verfahren überzeugt ist, zeigen die Förderrichtlinien: Ein «Technologie-Bonus» im Erneuerbare-Energien-Gesetz bringt vier Cent pro Kilowattstunde zusätzlich, wenn man ein EGS-System erstellt und damit Energie gewinnt. Bems verweist auch auf eine aktuelle Potenzialstudie der Deutschen Bank, die der Geothermie und speziell dieser Methode eine große Zukunft voraussagt.

Entscheidung im nächsten Jahr

Ob und wie es auf dem Bohrfeld weitergeht, wird sich aber erst im kommenden Jahr zeigen. In Mauerstetten ruhen die Exorka-Aktivitäten derzeit noch. Zunächst wird der Bohrturm vollständig abgebaut. Erst dann möchte Exorka eine sogenannte Workover-Anlage aufbauen, also obertägige Aufbauten, um das weitere Arbeitsprogramm durch- vorzubereiten.

Dafür hat das Unternehmen einen Forschungsantrag an die Bundesregierung gestellt. Bems rechnet im Jahr 2010 fest mit der «Fortsetzung der Entwicklung» des Geothermiestandortes. «Wenn wir in einigen Jahrzehnten retrospektiv nach Mauerstetten blicken, wird man sich wohl an eine frühe Stätte des weltweiten geothermischen Siegeszuges erinnern», ist der Exorka-Geschäftsführer überzeugt.

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