Hirschegg / Riezlern
Draculas Schwester ziert ein Snowboard

In den Szenemagazinen sind es die Sportler, die im Mittelpunkt stehen. Und kaum ein Snowboarder weiß, wer sein Sportgerät tatsächlich entworfen hat. «Wir haben es als Mangel gesehen, dass die Künstler der so genannten Board-Szene derart im Hintergrund stehen», sagt Josef Gruber. Anlass für ihn und Marco Heim als Organisatoren, vor einem Jahr mit der «Art on Snow» im Kleinwalsertal Abhilfe zu schaffen. Am Wochenende fiel der Startschuss zur zweiten Auflage. 17 Künstler - Fotografen, Maler und Designer - zeigen bis zum kommenden Samstag im Walserhaus in Hirschegg und im Casino in Riezlern auf insgesamt 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Werke.

Und die könnten abwechslungsreicher kaum sein - reichen von der klassischen Sportaufnahme im Gebirge über popsurreale Fantasywesen wie Graf Draculas kleine Schwester bis hin zu Boards im Graffitistil. «Die Mischung ist einfach toll, die Ausstellung ist groß, die Werke sind vielfältig», urteilt die 26-jährige Julia Gebauer aus Immenstadt. Begeistert ist sie auch, dass die Künstler vor Ort sind und in Führungen ihre Werke selbst vorstellen.

Neben Nachwuchskünstlern aus der Region konnte das «Art on Snow»-Team echte Größen gewinnen wie etwa den Münchner Fotografen Lorenz Holder, Gewinner des ersten Preises in der Kategorie «Sport» bei den «World Photography Awards» in Cannes.

Neben dem Spiel mit Dunkelheit und Farbe, Lichteffekten oder Unschärfe, sind es vor allem die Szenarien, die seine Werke einzigartig machen: ein Snowboarder vor der nächtlichen urbanen Kulisse Hamburgs oder auf einem norwegischen Gletschersee.

Regionale Motive und Sportler der örtlichen Szene hingegen rückt der Oberstdorfer Fotograf Steffen Kornfeld in den Blickpunkt. Dass alle seine Werke Geschichten erzählen, macht der 24-Jährige greifbar: Neben den großformatigen Fotografien kommen auf Texttafeln die Sportler zu Wort, zudem erzählt Kornfeld hier von der Entstehung seiner Werke.

Grafiken, Graffiti, Popsurreales und Comicstil: Ganz unterschiedlich und doch homogen in der Gesamtheit präsentieren sich fünf Künstler der Münchner Galerie Richter Masset bei der «Art on Snow». Vor allem als Urgestein gilt dabei «Won ABC», der schon in den 80er Jahren mit Spraydosen «bewaffnet» um die Häuser zog. Vom Konzept der «Art on Snow» sind die Münchner dabei begeistert. Künstlerin «Beastistylez» betont: «Die Zielgruppe stimmt einfach.» Die jungen Leute in der Boardszene zeigten unheimliche Begeisterung - das wiederum sei eine ungemeine Motivation für die Künstler.

Auch die Verletzungsgefahr wird auf Sportgerät thematisiert

Erstmals überhaupt stellt Quirin Müller seine Arbeiten zur Schau. Der 20-jährige Oberstdorfer hatte 2008 die Chance erhalten, das Pro-Modell eines befreundeten Boarders zu designen. Musik, Kleidung oder Verletzungsgefahr - seine klar strukturierten Boards erzählen, was Sportler bewegt.

149 Titelseiten des Magazins «Snowboarder MBM» berichten in der «Art on Snow» von gut zwanzig Jahren Sport-Geschichte. In Mal-Workshops können Kinder unter pädagogischer Anleitung Sportgeräte gestalten und täglich finden kostenlose Fotoworkshops statt. Verlegt werden auf den 6. März musste der Wettbewerb «Big Air Contest». Dazu soll aus 15000 Kubikmetern Schnee ein «Monsterkicker» entstehen.

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