Dosenbohnen statt Abendessen

Ottobeuren/Unterallgäu (bum/sdo). - 'Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden als Hauptgewinner gezogen.' Auf die erste Freude über den 250-Euro-Gewinn folgte schon bald die Ernüchterung. Die Gewinner aus dem gesamten Unterallgäu sollten ihren Preis nämlich im Rahmen einer 'Übergabe-Show' in Ottobeuren erhalten - sofern sie ihn persönlich abholen. Zusätzlich wurde ihnen etwa ein Abendessen versprochen. Dieses stellte sich später als eine Dose Bohnen, ein Päckchen Brot und Spaghetti heraus. Elisabeth Geiger von der Verbraucherzentrale warnt vor dubiosen Gewinn-Versprechungen. Gleich in den ersten Sätzen stellte ein Herr bei der 'Übergabe-Show' klar, dass es sich bei dem Gewinn lediglich um den Wert von 250 Euro handle. Dieser sei in Waren bei 'Brauers Versandhaus' einzulösen. Der neue Katalog werde in zwei Wochen zugesandt. Über 20 Frauen und Männer waren zur Preisübergabe erschienen. Alle hatten einen gleichlautenden Brief erhalten, in dem ihnen neben dem 250-Euro-Gewinn ein 'großer Jubiläums-Präsentkorb', für Damen 'eine hochaktuelle Handtasche', für Herren eine 'wertvolle ledermaserierte Qualitäts-Geldbörse' und zusätzlich für jedes Ehepaar oder Paar ein 'Barbecue-Tischgrill in Markenqualität' versprochen wurde. Zunächst wurde auch Kaffee und Kuchen wie im Schreiben angekündigt serviert. Danach folgte jedoch eine mehr als vierstündige Präsentation von zunächst preiswerten Versandhaus-Artikeln. Später wurden ausführlich eine besondere Matratze und ein Dampfreiniger angepriesen, bis hin zu so genannten Mitnahme-Artikeln wie Fleckenpaste und ein Messer. Da offenbar die meisten der anwesenden 'Gewinner' nach der langen Dauer der Präsentation zumindest noch ihre Geschenke beziehungsweise das 'reichhaltige und gute Abendessen' mitnehmen wollten, hielten viele bis zum Schluss durch. Aus dem angekündigten 'Jubiläumspräsentkorb' mit Kaffee, Wurst, Wein und 'vielen anderen Leckereien' wurde am Ende allerdings eine kleine Konservendose Bohnen sowie je ein Päckchen Brot und Spaghetti. Die Geschenke waren alle in dem Gewinner-Schreiben zugesichert worden, das von den smarten Veranstaltern gleich zu Beginn eingesammelt worden war. Eine Firmenanschrift war darin jedoch auch nicht zu finden gewesen. Auch ein Anruf der Memminger Zeitung bei einem Büro- und Buchungsservice, der die Räumlichkeiten in Ottobeuren angemietet hatte, brachte keinen Aufschluss über die Identität der Firma. Der Mitarbeiter des Buchungsservice verwies auf vertrauliche Kundendaten.

Tipps von Verbraucherzentrale Für Elisabeth Geiger von der Memminger Verbraucherzentrale sind solche dubiosen Gewinn-Benachrichtigungen nichts Neues. Unseriöse Unternehmen erkennt man ihrer Erfahrung nach beispielsweise daran, dass sie in ihren Schreiben keine Gesellschaftsform (Gmb H oder Aktiengesellschaft) und keine postalische Anschrift, also keinen Straßennamen, sondern nur ein Postfach angeben. An ein Postfach können keine gerichtlichen Bescheide versandt werden. Seit Juli 2000 ist es nämlich eigentlich möglich, einen versprochenen Gewinn einzuklagen - allerdings nur, wenn im Schreiben der Eindruck erweckt wird, dass dieser tatsächlich ausbezahlt wird und eine 'ladungsfähige Adresse' angegeben wurde. Einige Tipps der Verbraucherschützerin: Schreiben ohne Postanschrift nicht ernst nehmen. Sorgfältig auswählen, an welchem Preisausschreiben man teilnimmt. Unseriöse Firmen nutzen diese, um ihre Kundenkartei aufzufrischen. Auf keinen Fall teure 0190-Nummern anrufen, um sich einen Gewinn bestätigen zu lassen. Bei Katalog-Bestellung die Geschäfts- und Versandbedingungen sorgfältig lesen, vorab auf gar keinen Fall Geld überweisen.

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