Dienste helfen, auch wenn es kein Geld dafür gibt

Kempten(se). - Sorgen macht sich Elisabeth Braunschweiger, wie lange sie ihren schwerbehinderten Mann noch zu Hause pflegen kann. Manchmal braucht sie nämlich die Hilfe des Rettungsdiensts, der dafür aber keine Vergütung bekomme. 'Über kurz oder lang werden die Organisationen diese Leistungen einstellen', fürchtet die 65-Jährige. 'Auf unsere Unterstützung kann sich die Dame weiter verlassen', beruhigt dagegen Franz Slepitschka, Chef in der Kemptener Rettungsleitstelle. Seit einem Unfall vor 27 Jahren ist Elisabeth Braunschweigers Ehemann auf Hilfe angewiesen: Der 79-Jährige ist blind und sitzt im Rollstuhl. Die Versorgung zu Hause klappe in aller Regel gut, sagt die Kemptenerin. Schwierigkeiten gebe es für die Pensionärin aber beispielsweise, wenn ihr Mann aus seinem Rollstuhl stürzt. Er selbst könne sich wegen seiner Behinderung nicht wieder aufsetzen. 'Und ich schaffe es einfach nicht, ihn aufzuheben.' Also ruft Braunschweiger in solchen Fällen beim Rettungsdienst an. 'Die Sanitäter sind auch immer so nett und kommen gleich', lobt die 65-Jährige. Nun ist ihr aber zu Ohren gekommen, dass die Hilfsdienste solche Einsätze gar nicht vergütet bekommen. 'Am Ende stellen die solche Fahrten künftig ein und mein Mann müsste deswegen ins Pflegeheim', meint die Seniorin. Um einen 'gewissen Ausgleich' bemüht, stecke sie den Helfern natürlich ein Trinkgeld zu; förderndes Mitglied sei sie längst auch bei den Hilfsorganisationen. 'Aber damit ist deren Aufwand natürlich nicht gedeckt', ist Braunschweiger klar.

Nicht verrechnungsfähig Mit dieser Situation leben die Rettungsdienste allerdings schon immer, wie Franz Slepitschka erklärt: 'Wenn wir zu einem Unfall gerufen werden, bei dem die Beteiligten nicht transportiert werden müssen, erhalten wir dafür auch keine Vergütung.' Solche Fahrten fielen unter die Rubrik 'nicht verrechnungsfähige Einsätze', die freilich in den Gesamtkalkulationen eingerechnet seien. Und Kosten allein seien für die Dienste nach wie vor nicht das ausschlaggebende Argument, betont Slepitschka: 'Ist doch keine Frage, dass wir kommen, wenn wir gebraucht werden. Das gehört zum Selbstverständnis der Hilfsorganisationen.'

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