Kaufbeuren
Diebin mit psychischen Problemen

Vordergründig ging es vor dem Amtsgericht um den Diebstahl von zwei Computerspielen und einem Nagellack im Wert von insgesamt 42 Euro. In der Verhandlung gegen die 38-jährige Angeklagte wurde allerdings deutlich, dass die Tat angesichts der sonstigen Probleme der Frau eher eine Randerscheinung darstellt. Als nämlich die Polizei die Kaufbeurerin nach dem Diebstahl in ihrer Wohnung aufsuchte, war dort, wie es der Richter formulierte «alles mit Lebensmitteln voll gestellt.» Aus dem psychologischen Gutachten ging jetzt hervor, dass die Frau unter anderem an einer Kaufsucht, einer Sucht nach Süßigkeiten und unter Essattacken leidet.

Auch am Tag des Diebstahls im Frühjahr 2009 hatte die 38-Jährige in einem Supermarkt für sich Süßigkeiten besorgt. Während sie diese an der Kasse bezahlte, ließ sie die Computerspiele und den Nagellack unbezahlt mitgehen. Sie wurde noch im Geschäft von einem Detektiv gestellt, der sie zuvor beobachtet hatte. Mit den Spielen wollte die Frau offenbar ihre Tochter zu Ostern beschenken.

Angesichts der Zustände in der Wohnung hatte sich für den Richter im Vorfeld der Verhandlung die Frage gestellt, ob die Angeklagte die Gegenstände aufgrund einer krankhaften Störung gestohlen haben könnte - um womöglich ihr Geld für das ausgeben zu können, was aus ihrer Sicht «das Wichtige» darstellte, nämlich Lebensmittel.

Der zur Klärung der Schuldfrage eingeschaltete Gutachter kam dann zwar zu dem Ergebnis, dass bei der Angeklagten tatsächlich Symptome verschiedener psychischer Störungen vorliegen. Allerdings sei die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der 38-Jährigen zum Tatzeitpunkt nicht beeinträchtigt gewesen.

Nach dem Gutachten war klar, dass die Angeklagte sich des Diebstahls schuldig gemacht hatte. Weil die derzeit arbeitslose Frau bei einer Verurteilung zusätzlich zu ihrer Strafe auch noch die Kosten des Gutachtens hätte tragen müssen, wurde das Verfahren auf Anregung des Vorsitzenden gegen 500 Euro Geldauflage eingestellt. Die Angeklagte war sichtlich erleichtert und bedankte sich. Ihr Kauf- und Vorratsverhalten hat die Frau, die sich seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung befindet, nach eigenen Angaben nunmehr «gut im Griff».

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