Kempten
Die Zuschauer sind gerührt und begeistert

Die Idee, klassische Musik und Rock zu kombinieren, ist nicht neu. Mit «Concerto for Group and Orchestra» bannten Deep Purple 1969 einen der ersten Versuche auf Platte. Neu hingegen ist, drei alt gediente Rocksänger nacheinander antreten zu lassen, sie zusammen mit einer passablen Band und dem «Bohemian Symphony Orchestra Prague» auf eine Bühne zu stellen. So kam es - unter dem Motto «Rock meets Classic» - zum Gipfeltreffen der Altrocker Lou Gramm, Bobby Kimball und Dan McCafferty in der Big Box.

Übers Alter spricht man da nur ungern. Nur soviel: Zusammen zählen die drei 182 Jahre. Ihre Erfahrung im Rockgeschäft ist enorm. Vor dreizehn Jahren wurde bei Lou Gramm ein Gehirntumor diagnostiziert. Nach der Operation trat der erheblich angeschlagene Ex-Sänger der US-Band Foreigner freilich weiter auf die Bühne. In Erinnerung ist sein kläglicher Kurzauftritt bei der 2002er Ausgabe der Nokia Night of the Proms in der Münchner Olympiahalle.

Was er in Kempten abliefert, nötigt Respekt ab. Etwas unbeholfen schlurft Gramm zwar über die Rockbühne, doch er scheint fit zu sein. Die Stimme ist wieder da. Und auch die Energie, mit welcher der rüstige Rock-Rentner die knapp 1000 Fans begeistert.

Fast ebenso ungelenk bewegt sich Nazareth-Sänger Dan McCafferty. Der Schotte geizt nicht mit seinem nach wie vor einzigartig rauen, kratzigen Organ, schmettert ein ergreifendes «Love hurts». Und auch Bobby Kimball lässt sich mit den größten Toto-Hits abfeiern und ist gut bei Stimme und Laune. Warum allerdings «I will remember» in die ohnehin kurze Setlist integriert ist, will sich nicht ganz erschließen. Dieses Stück sang Kimball bei Toto nicht, und im Konzert muss er vom Blatt ablesen.

Vergleiche verbieten sich

Henny Wolter hat als Routinier an der Gitarre sogar die anspruchsvollen Toto-Soli drauf. Qualitative Vergleiche mit Toto-Gitarrist Steve Lukather verbieten sich selbstredend. Mat Sinner am Bass ist in erster Linie fürs Posing zuständig.

Das Orchester und die drei Chor-Frauen sorgen für optisches und akustisches Volumen. Ein Verzicht darauf wäre nicht allzu schmerzlich gewesen. Als Rockfan zieht man eher eine kernig aufspielende Band vor, die hier mit eingeschränkter Lautstärke gegen die Klangfülle des Orchesters ankämpfen muss. Das wiederum wirkt - an den Bühnenrand gequetscht - wie eine Staffage für die drei Sänger-Stars.

Zum Abschluss werden drei Mikrofone aufgebaut. Das heißt: Alle Mann kommen zurück und rocken mit «Razamanaz», «Ill supply the Love» und «Hot Blooded» noch mal richtig ab. Leider singen die Drei nicht miteinander, sondern einzeln nacheinander. Nun stehen fast alle Zuschauer in der bestuhlten Big Box - gerührt und begeistert von der Leistung der alten Herren.

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