Kaufbeuren
Die Windel und die frohe Botschaft

Selbst Stehplätze waren beim Weihnachtsgottesdienst am Heiligen Abend in der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin knapp, so viele Menschen drängten sich in dem Gotteshaus. In seiner Predigt ging Mathias Prestele, Osterzeller Pfarrer im Ruhestand, auf ein kleines Detail des Weihnachtsevangeliums nach Lukas ein: Die Windeln, in die der Jesusknabe nach der Geburt gewickelt wurde.

Dass selbst kleine, banale Gegenstände große symbolische Bedeutung erhalten können, machte Prestele am Beispiele der diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller deutlich. Weil sie sich weigerte, für den Geheimdienst des kommunistischen Regimes in ihrer Heimat Rumänien andere Menschen zu bespitzeln, sei sie beruflich degradiert und unter Druck gesetzt worden. In dieser schweren Zeit habe ihr ein Taschentuch ihrer Mutter Mut gemacht, das sie stets bei sich trug. «Dieses Tuch war für sie ein geheimnisvolles Zeichen dafür, dass sie nicht allein ist», so Prestele.

Ähnlich hoffnungsvoll stimme auch die Überlieferung, dass Jesus, der Sohn Gottes, in Windeln gewickelt wurde. «Das ist ein Zeichen dafür, dass sich der große Gott ganz klein gemacht hat. Er braucht eine Windel», betonte der Geistliche. Dies gebe eine Ahnung davon, wie sehr Gott die Menschen liebt, aber auch, «welche große Würde wir haben».

Trotzdem seien sich viele Christen ihrer besonderen Stellung nicht bewusst und gestalteten ihr Leben nicht nach den göttlichen Grundsätzen. Gerade das Weihnachtsfest und die Überlieferung der Umstände der Geburt Christi sollten dazu animieren, sich dieser «wahrhaft frohen Botschaft» bewusst zu werden und entsprechend zu leben.

Prestele appellierte deshalb auch an die Zuhörer, diese zentrale Botschaft des Weihnachtsfestes bei allen damit inzwischen verbundenen Traditionen, Sitten und Unsitten nicht aus den Augen zu verlieren: «Wir sind von Gott beschenkt worden - unabhängig davon, was wir heute geschenkt bekommen.»

Die musikalische Gestaltung des nachmittäglichen Gottesdienstes übernahm wieder traditionell die Tänzelfest-Knabenkapelle. Mit großem Können interpretierte das Blasorchester bekannte, religiöse Weihnachtslieder. Lediglich «Im dreaming of a white Christmas» wollte nicht so recht zur Botschaft und zur Stimmung des Gottesdienstes passen. Am Ende verloschen dann die Lichter in der Kirche und der mächtige Chor der Besucher stimmte in «Stille Nacht, heilige Nacht» ein.

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