Sonthofen / Oberallgäu
«Die Türen unseres Herzens aufreißen»

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Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, feierten die Christen mit zahlreichen Gottesdiensten in der Region. «Reißen wir die Türen unseres Herzens auf», appellierte etwa Sonthofens Stadtpfarrer Karlheinz Müller in der Christnacht. Dieses Bild der Türe begleitete seine Pfarrgemeinde schon durch die Adventszeit - im Gottesdienst mit der Lebenshilfe, bei der Versöhnungsfeier und bei der mit Schulkindern in Altstädten gestalteten Herbergssuche.

Die Türen des Herzens aufzureißen, auch wenn man innerlich hinknien müsse, riet Pfarrer Müller. Denn dann könne man das Wunder von Weihnachten im Herzen erleben. «Türen schließen» heiße es, wolle man Weihnachten nur im oberflächlichen Glanz feiern, wo alles beim Alten bleibt, wenn die Kerzen verloschen sind. Ansonsten, so Müller, könnte Jesus mit unbequemen Fragen unter die Haut gehen. Wer aber den Mut habe, ihn in sein Herz einzulassen, könne ein himmelblaues Wunder erleben.

In der Rumpelkammer des Herzens räume Jesus auf, was man an unnötigem Ballast herumschleppe: alte Verletzungen, verdrängte Schuld, Vorurteile.

Und in der Dunkelkammer des Herzens könne Jesus die besten Bilder entwickeln: Bilder, wie man anderen in dunklen Zeiten beistehen kann, wie das Leben trotz Einschränkungen lebenswert bleibt.

Müller: «Wenn Jesus einmal in ihr Leben gekommen ist, dann kann er dort wachsen und ihr Leben vollkommen verändern.» Er werde auch provozieren, bohren und unbequeme Fragen stellen. Etwa, was ein Mensch aus der von Jesus geschenkten Fülle an Liebe macht, ob er versucht, sie weiterzugeben. Jesus rüttle die Menschen auf, bringe sie in Bewegung. «Er lockt die Menschen weg von Altgewohntem und sagt: Vertrau mir und lass dich von mir in eine große Freiheit führen.»

Zwei Nüsse, ein Kern

Auf die Suche nach dem Kern von Weihnachten machte sich die evangelische Pfarrerin Antje Pfeil-Birant bei ihrer Predigt zum zweiten Weihnachtstag in der Täufer Johannis Gemeinde Sonthofen. Am Beispiel zweier Nüsse - eine golden verziert, eine nicht - zeigte sie, dass nicht die Verpackung zählt, sondern der Inhalt. Mit Weihnachten sei das genauso: Natürlich freue man sich über ein gelungenes Fest. «Trotzdem ist der Kern von Weihnachten derselbe, auch wenn das glänzende Drumherum fehlt.» Geschenke, Familienfrieden, Kerzenschein, geschmückter Baum und gutes Essen seien schön und doch nur die Schale, sagte die Pfarrerin.

So, wie es für das menschliche Zusammenleben wichtig sei, miteinander zu reden, so sei es wichtig für uns und unseren Glauben, dass Gott mit uns spricht. Auch wenn Gott auf taube Ohren stoße, lasse er nicht locker, verstumme nicht, wolle den Menschen nahe sein. Pfeil-Birant: «Er will uns zeigen, wie gut er es mit uns meint. Das ist der Kern des Weihnachtsfestes: Gott redet zu uns durch seinen Sohn.» Weihnachten bedeute, dass Gott begreifbar, sichtbar und hörbar werde. Jesus habe die Menschen die Liebe und Nähe Gottes erfahren lassen.

Wie bei den Nüssen finde man den Kern von Weihnachten wohl nur, wenn man das Drumherum vom Kern trennt, so Pfeil-Birant. Wer die prächtige, glänzende Nuss so lasse, wie sie ist, habe zwar ein bisschen Glanz und Schmuck, aber der Kern bleibe verborgen.

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