Kempten
Die Rock-Veteranen könnens noch

Es sind große Fußstapfen, die sich Benoit David herausgesucht hat. Schließlich hat sein Vorgänger Jon Anderson mit seiner markanten, hohen Stimme den Sound von Yes entscheidend geprägt. Und zu Beginn des Konzerts in der Big Box in Kempten sah es so aus, als sei David dieser Aufgabe nicht gewachsen. Der Kanadier war kaum zu hören und drohte stimmlich unterzugehen. Doch es war nicht die Schuld des Sängers, dass das Stück «Siberian Khatru» nicht überzeugte. Vielmehr bekleckerten sich die Tontechniker an diesem Abend nicht gerade mit Ruhm.

Erst beim dritten Lied gelang es ihnen, ein stimmliches Gleichgewicht zwischen David und Bandgründer Chris Squire herzustellen. Und als Gitarrist Steve Howe ein Stück von Antonio Vivaldi interpretierte, störte ein hässlicher Brummton den filigranen Klang der klassischen Gitarre. Erst viele Minuten später war das Problem gelöst, das Stück war da aber fast zu Ende.

Mit allen Wassern gewaschen

Zum Glück sind die Musiker von Yes mit allen Wassern gewaschene Profis, die sich davon nicht aus dem Konzept bringen ließen. Sie nahmen das Publikum mit auf eine Zeitreise durch 40 Jahre Bandgeschichte. Squire & Co wollten wohl auch beweisen, dass sie im Gegensatz zu ihrem Album «Live at Montreux» noch richtig rocken können. Die sanfteren Stücke hatten Seltenheitswert, stattdessen machten Squires Bass und Howes Gitarren kräftig Dampf.

Fans kommen bis aus Zürich

Vor allem Howe zeigte die ganze Bandbreite, die an diesem Instrument möglich ist. Rockige Riffs, ausgedehnte Soli und zwischendurch immer wieder Ausflüge an die Steelguitar - Howe hat dafür mehr Gitarren zum Einsatz gebracht, als die meisten Frauen Schuhe in ihrem Schrank haben. Gitarrenroadie bei ihm zu sein, ist vermutlich Schwerstarbeit. Aber immerhin: Der 62-Jährige weiß, wie er sein Publikum mitreißen kann. Zwar fanden sich nur rund 800 Zuschauer zum Gastspiel der Rockveteranen ein, doch es waren Fans bis aus Zürich angereist. Angesichts der Schar von treuen Anhängern war es kein Wunder, dass die gute Stimmung schnell die Halle erfasste.

Dazu trug auch David bei. Denn nach den technischen Startproblemen kam seine Stimme dem Vorbild erstaunlich nahe. So holten Yes auch ihr wohl bekanntestes Stück «Owner of a loneley Heart» wieder aus der Versenkung. Und wer die Augen schloss, fühlte sich ins Jahr 1983 zurückversetzt, als Yes mit diesem Titel die Charts stürmten.

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