Sonthofen
«Die Kronen unbedingt mit Mützen anprobieren»

Nadja zögert etwas, als ihr ein rosafarbenes Untergewand gereicht wird. «Besser, als wenns die Buben anziehen», sagt Martina Wörz resolut. Die Mädchen kichern. Nadja kombiniert das pastellige Unterkleid mit einem weinroten Umhang. «Sieht komisch aus», kann sie sich den Kommentar nicht verkneifen. Aber die Elfjährige freut sich, mit ihren Freundinnen nach Neujahr loszuziehen - als Sternsingerin. Sie gehört in der Pfarrei «Maria Heimsuchung» zu den rund 60 Boten aus dem «Orient».

Wenige Tage vor ihrem Umzug durch die Pfarrgemeinde, zu der unter anderem auch die Orte Imberg und Tiefenberg gehören, treffen sich die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen gerade mal fünf und 14 Jahren im Pfarrheim. Diakon Norbert Oeing (57) erteilt die letzten Anweisungen, bevor die Sternsinger im oberen Stockwerk eingekleidet werden. «Wir kommen daher aus dem Morgenland», üben die «Könige» und Sternträger das Lied, mit dem sie die Hausbewohner begrüßen werden.

Der Diakon nimmt sich einen Bogen Goldpapier von dem Stapel und formt sich eine hohe Röhre auf dem Kopf: «Jetzt sehe ich aus wie die Simpsons», ulkt Oeing, und die Kinder lachen. Doch wie die amerikanischen Zeichentrickhelden mit den abstrusen Hochfrisuren sollen die Sternsinger natürlich nicht aussehen. Aus dem goldenen Karton sollen Kronen entstehen, aber nicht mit «so arg spitzen Zacken», die sich in Regen oder Schnee dann «komisch» verformen.

Und «unbedingt mit Mütze probieren», empfiehlt Norbert Oeing, der die jährliche Sternsingeraktion seit 27 Jahren betreut.

Taschen oder Rucksäcke dabei

Jede Gruppe, die jeweils von einem Erwachsenen (mit Ausweis) begleitet wird, erhält eine Sammelbüchse: Die Spenden gehen bundesweit an das Kindermissionswerk. Da die Hausbewohner aber nicht nur Geld bereithalten, sondern (hoffentlich) auch Süßigkeiten, sollen die Kinder Taschen, Rucksäcke mitnehmen - oder auch einen Leiterwagen, scherzt der Diakon. «Könige mit Alditüten» wirkten doch etwas seltsam. Er zeigt den Sternsingern auch schwarze Aufkleber, die - nach Rücksprache - an weiße Türstöcke geklebt werden können. Sonst kommt die Kreide zum Einsatz, um die traditionelle Buchstaben-Zahlenkombination aufzumalen: «20*C+M+B+10».

Wobei die Buchstaben für «Christus mansionem benedicat» stehen: Christus segne dieses Haus.

Oder auch für Caspar, Melchior und Balthasar, die Namen der drei Weisen, die den neugeborenen Jesus besuchten. In der Gruppe, in der Nadja mitläuft, darf jeder ganz demokratisch mal ein anderer König sein. Nur Laura (10) ist Balthasar, der schwarze Würdenträger. Laura ist schon zum zweiten Mal Sternsingerin. Ihr macht es Spaß, mit den Freundinnen zusammen zu sein, aber auch zu den Leuten hinzugehen und zu singen. Tabea (11) findet es toll, dass die «Leute sich so freuen». Lukas aus einer anderen Gruppe wird als «Melchior» unterwegs sein, um «für die armen Kinder Geld zu sammeln». Aber auf Nachfrage sagt er, dass er sich auch über die Süßigkeiten freuen wird.

Zwei Tage lang, am heutigen Montag und am Dienstag, werden die Sternsinger aus «Maria Heimsuchung» bis zum Anbruch der Dunkelheit von Haus zu Haus ziehen. Acht bis neun Kilometer werden sie pro Tag wohl auf den Beinen sein, schätzt Diakon Oeing. Eine Verschnaufpause gibt es mittags beim Essen in einer Gastfamilie. Bevorzugte Stärkung: Pizza oder Spaghetti, weiß Sonja Stich, die schon seit Jahren die Kinder begleitet. Und auch darauf achtet, dass die kleinen Weihrauchfässer in jedem Haus geschwenkt werden. Sachte. Denn Norbert Oeing gibt seinen Schützlingen noch ausdrücklich mit auf den Weg: «Bitte nicht schleudern!»

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