Die Königin der Instrumente zieht ihn in ihren Bann

Von Eva Büchele | Buchloe Zehn Jahre Garantie bekommt der Käufer auf ein Instrument, wenn er es von Robert Wech aus Buchloe bezieht. Und vermutlich werden auch die nachfolgenden Generationen noch viel Freude an dem gekauften Stück haben - schließlich hält eine Kirchenorgel bis zu 400 Jahre und länger.

Vor fünf Jahren verlegte Wech seine Werkstatt von Wertingen nach Buchloe. Für einen großen Auftrag aus den USA brauchte er mehr Platz. Den fand er in einer Werkstatt in der Saubsdorfer Straße. Eine Orgel mit 1900 Pfeifen - die größte ist 4,50 Meter lang, die kleinste fünf Millimeter - sollte er für die 'Cathedral of the Epiphany' in Sioux City (Iowa) bauen. Nach über 9000 Arbeitsstunden hat er das Instrument für 500 000 Euro verkauft.

Fotos von Kirchenschiffen hängen in Wechs Büro, daneben Skizzen von pompösen Orgeln. 'Vorab besuche ich natürlich den Ort, wo das Instrument später stehen soll', erläutert Wech seine Arbeitsweise. Nur so kann er ein Design entwerfen, das sich in das Gotteshaus einfügt. Außerdem muss er den Raum auch akustisch einschätzen, um ein klangliches Konzept für das Instrument zu erstellen.

Zu 80 Prozent lebt Wechs Unternehmen vom Orgelneubau. 'Das Besondere ist, dass wir alle Teile selbst herstellen', erläutert er. Dazu gehen ihm derzeit zwei feste und zwei freie Mitarbeiter zur Hand. In seiner Werkstatt werden sogar die Pfeifen selbst geschmiedet. Sind alle Teile fertig, wird das Instrument aufgebaut. 'Bei der letzten Orgel mussten wir die Werkstattdecke herausnehmen, weil sie so hoch war', erinnert sich der 39-Jährige. Zwar kann man auf der Orgel dann schon spielen, doch richtig klanglich einstimmen muss Wech sie an dem Ort, wo die Orgel in Zukunft ihre Hörer verzücken soll.

'Orgelbauer ist ein unglaublich vielseitiger Beruf', betont Wech. So habe man nicht nur handwerklich mit den verschiedensten Materialien wie Metall, Holz und Kunststoff zu tun, sondern müsse sich auch in die Bereiche Konstruktion, Bauen und Intonieren einarbeiten.

'Ich wollte ursprünglich Musik studieren', erzählt Wech. Doch dann habe er doch nach einer Möglichkeit gesucht, Handwerk und Musik zu verbinden. 'Als ich mit der Lehre anfing, habe ich über die Orgel nicht viel gewusst. Ich spielte nur Klarinette und Saxofon.' Doch mit der Zeit habe 'die Königin der Instrumente' ihn immer mehr in ihren Bann gezogen.

Das nächste Instrument, das in Wechs Werkstatt eintreffen wird, ist eine italienische Orgel aus dem Jahr 1760, die er einem privaten Sammler aus Modena abgekauft hat. 'Wir haben extra alte, wertvolle Instrumente analysiert, um bei der Restauration möglichst nahe am Original zu bleiben', erläutert der Orgelbauer. Wechs Augen leuchten, wenn er von dem Instrument spricht: 'Orgelbauer ist eine Berufung - eine Leidenschaft eben', meint er.

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