Die Kette mit Silbermünzen hat ausgedient

Von Christine Rothauscher, Kempten - Eine Kette mit 60 schweren Silbermünzen, zwei vergilbte Kassenbücher und ein dicht gefülltes Fotoalbum - das sind die Erinnerungsschätze, die jetzt endgültig ausgedient haben. Traurig zeigt Leo Spengler auf die wertvolle Hinterlassenschaft des Schützenvereins 'Löwen-Schelldorf'. Nach 110 Jahren hat sich der Verein jetzt aufgelöst - mangels Nachwuchs, erzählt der letzte Vorstand des Kemptener Traditionsvereins. Was mit den Erinnerungsstücken geschehen soll, weiß niemand. Vor 110 Jahren, im Jahr 1894 fand sich eine kleine Zahl gleichgesinnter Männer in Schelldorf zusammen, um einen Schützenverein zu gründen, heißt es im Vereinsarchiv. Gute Kameradschaft zu pflegen und fairen Sport zu treiben hatten sich die Gründungsväter von damals vorgenommen. Und wohl auch eingehalten, wie aus den leicht zerfledderten, aber gut lesbaren Eintragungen in die beiden 'Cassabücher' zu lesen ist. 'So stark war der Zulauf zum Schießsportverein in den ersten Jahren, dass bald zwei Abteilungen aktiv waren, die eine im Gasthaus 'Neu Welt', die andere im 'Löwen' an der Hanebergstraße', hat Leo Spengler von einem inzwischen verstorbenen Schelldorfer Schützen erfahren. Wie das Vereinsleben damals ablief, ist aus handgeschriebenen Einladungen der Nachbar-Schützen Neudorf und Rosenau (aus den Jahren 1904) nachzulesen: So hat die 'Einlage' eine Reichsmark gekostet und jeder weitere Schuss sieben Pfennige. Und die Schützenkönige durften neben der Siegermedaille einen Ring Thüringer Wurstwaren mit nach Hause nehmen.

Suser samt Glas gesponsert Genau ist die 'höflichste Bitte um ein zahlreiches Erscheinen' festgehalten. Wer den Thüringer Wurstring gewonnen hat, ist allerdings nicht in den Memoiren der verbrieft. Aber, es müssen viele 'Löwen-Schützen' auf die Schießscheiben der Nachbarvereine gezielt haben, denn der Vereins-Kassenwart bestellte laut diverser Rechnungen '1000 Stück Schuss für 1,20 Reichsmark samt 200 Scheiben zu 1,80 Reichsmark'. Wie sie aussahen, die stolzen Löwen-Schützen aus Schelldorf (einem Ortsteil der ehemaligen Gemeinde St. Mang) zeigt ein Foto, das im Vereinslokal 'Löwen' aufgenommen wurde. Auch der Gastwirt des 'Löwen', Josef Kimmelmann, wird oft in den folgenden ersten Jahrzehnten genannt: Als Sponsor von 'Ehrenscheiben', 'Bierkrügel', einem Besteck oder 'zwei Liter Suser samt Glas'. Die Inflation Anfang der 20iger Jahre brachte das heitere Vereinsleben vorübergehend zum Erliegen, zwei Jahre später blühte es allerdings wieder auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Verein durch Verbot des Schießsports und dem Abliefern aller Sportwaffen zu einer Zwangspause gezwungen. Aber Anfang der 50er-Jahre war der Schelldorfer Verein mit 14 Neumitgliedern einer der ersten, die den Schießbetrieb wieder aufnahmen, weiß Leo Spengler, der selbst dazu gehörte. Doch in den letzten 20 Jahren ging es stetig bergab. Heute könnte der Schützenmeister - im 110-jährigen Jubiläumsjahr der 'Löwen-Schützen Schelldorf' seine 50-jährige Vereinsmitgliedschaft feiern. Doch danach ist weder ihm noch seinen verbliebenen Schützenkollegen zumute. Stattdessen fand jüngst die letzte Preisverteilung statt, lautete der letzte Eintrag von Schriftführerin Gaby Kubitschek: 'Der Schützenverein Löwen-Schelldorf löst sich nach 110 Jahren mangels Nachwuchs auf'. Bis heute weiß Ex-Vorstand Spengler nicht, wer die Vereinskette mit den wertvollen Silbermünzen einschätzen kann und sich dafür interessiert.'Wer weiterhelfen kann, sollte unter (0831)/61696 anrufen. .

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