Kempten
Die Hüften kreisen, die Arme schwingen

Hanteln werden temperamentvoll geschwungen, Bälle fliegen hin und her und dazu dröhnt der bekannte Whittaker-Hit «Schön war die Zeit» durch den Saal. Rund zwei Dutzend Damen summen die Melodie mit, lassen im Takt dazu die Hüften kreisen, bis Trainerin Gretel Kräupner die nächste Übung ansagt. Seit 40 Jahren hält sie ihre Gruppe in Schwung, auch wenn sie seit Kurzem selber ein Kreuz mit ihrem Kreuz hat. «Des wird schon wieder», ist ihre Lieblingsparole.

Dienstag, 20 Uhr: Eigentlich sollten die Gymnastikdamen jetzt in ihre Turnschuhe schlüpfen und sich warm laufen. Doch in den ersten Minuten der Trainingsstunde ist daran nicht zu denken. Die 50- bis 80-jährigen Teilnehmerinnen stehen in Grüppchen zusammen, um sich ihre Erlebnisse aus der zurückliegenden Woche zu erzählen. «Ja mei», seufzt Gretel Kräupner leise, «sie kennen sich ja schon seit Jahrzehnten und haben längst Freundsgeschlossen.»

Und dann erzählt die 71-Jährige davon, dass auch runde Geburtstage, Weihnachts- und Faschingsfeiern und ein monatlicher Gasthausbesuch zu den Aktivitäten der Frauengruppe zählen. Übrigens: Die Gymnastikfrauen kommen aus allen Stadtteilen und fahren bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter jeden Dienstagabend zum Pfarrzentrum St. Ulrich am Schumacherring, um mit flotten Übungen ihre Muskeln zu trainieren.

«Natürlich auch die Lachmuskeln», erzählt Melanie Holzapfel, die seit Jahrzehnten «die Gaudi und Gemeinsamkeit» in den Übungsstunden schätzt und des Lobes für Gretel Kräupner voll ist, weil diese ein großes Sortiment an Bällen, Bändern und Hanteln auf eigene Kosten angeschafft hat, um Gymnastikübungen nach neuesten Erkenntnissen anbieten zu können. «Und sich immer neue Varianten einfallen lässt.»

Dabei sein ist alles

20.30 Uhr: Aus dem gemächlichen Üben zum Aufwärmen ist konzentriertes Training geworden. Und wenn auch ab und zu ein Trainingsgerät auf dem Turnhallenboden landet, die Arme der Teilnehmerinnen nicht ganz im Gleichklang durch die Luft schwingen. Was macht das? «Dabei sein ist hier alles und der Spaß an der Freud ist wichtig», sagt die Vorturnerin.

Freilich, zwei Dinge mag sie gar nicht leiden: Cliquenwirtschaft, und wenn ein Neuzugang nicht in die Mitte genommen wird. «Da rudere ich sofort dagegen», sagt die quirlige Frau, reckt ihre 155 Zentimeter Körpergröße energisch in die Höhe und versucht, ein strenges Gesicht zu zeigen. Aber ihre Lachfältchen gewinnen die Oberhand.

Zum Abschied nennt Kräupner die wichtigste Grundlage ihrer Gruppe: «Für Männer ist der Beitritt verboten, die würden nur Unruhe in unsere heitere Runde bringen.»

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