Die heutigen Gesetze reichen aus

LIndau/Westallgäu | mb | Der Jugendrichter und Direktor des Lin-dauer Amtsgerichts Paul Kind betrachtet die Debatte über härtere Strafen für Jugendliche mit gemischten Gefühlen. Einerseits, sagt er, muss vor allem der Strafvollzug schneller werden, andererseits aber sind nach seiner Erfahrung viele jetzt diskutierte Maßnahmen wenig zielführend. 'Eigentlich stehen wir in Lindau gar nicht so schlecht da', sagt Paul Kind. 'Die Gewalt von Jugendlichen, besonders von ausländischen Jugendlichen in unserem Amtsgerichtsbezirk haben wir einigermaßen im Griff', zumindest von der repressiven Seite.

Derzeit wird nach den Vorfällen von München und den Forderungen von Unionspolitikern nach härteren Strafen für Jugendliche genau über Kinds Fachgebiet diskutiert, und über Teile der Diskussion wundert er sich schon. 'Keiner der Vorschläge', sagt er, 'hätte einen Fall wie in München verhindert. Ein Schnellschuss kann hier schnell zum Rohrkrepierer werden.' Nach Ansicht von Kind ist eine Strafe von zehn Jahren für einen Jugendlichen ebenso bedrohlich wie 15 Jahre, da sie jenseits aller Vorstellungen eines jungen Menschen liegt.

Die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts zwingend schon ab 18 Jahren, gegen diesen Vorschlag wendet sich Kind eindeutig. 'Gerade das Jugendstrafrecht', sagt er, 'gibt uns die Möglichkeit, sehr zielgenau auf die Situation jedes Heranwachsenden einzugehen' - oft würde er sich auch für Erwachsene diese Möglichkeit wünschen.

So gebe es im Jugendstrafrecht die Möglichkeit, Arrest zu verhängen. Die Jugendlichen müssen dann entweder an Wochenenden oder sogar mehrere Wochen am Stück in der Arrestanstalt in Augsburg (nicht mit einer Justizvollzugsanstalt zu verwechseln) verbringen. Dort sitzen sie in einer Einzelzelle und haben den ganzen Tag nichts zu tun. 'Kein Handy, keine Playstation, kein Fernsehen - für sie ist es eine nachhaltige Erfahrung.'

Diesen Arrest verhängt Kind relativ schnell. Wenn jemand zum zweiten Mal wegen Ladendiebstahls vor ihm steht, kann er mit Arrest rechnen - 'und die meisten seh ich danach nie wieder, es hilft also'.

Ein Problem seien aber die Plätze. Während die Strafverfolgung im Amtsgerichtsbezirk in der Regel recht schnell vorankomme, könne es drei bis vier Monate dauern, bis der Arrestplatz endlich frei sei - 'und das ist für einen Jugendlichen zu lange'. Hier müssten die Länder Geld in die Hand nehmen, folgert Kind, denn Strafen wirken besser, wenn sie möglichst schnell nach der Tat kommen.

Aber natürlich sei Lindau nicht Berlin oder Paris, wo es schon heute vorkomme, dass Wohnblocks oder ganze Straßenzüge zu rechtsfreien Räumen werden und durch gewalttätige Cliquen dominiert werden. Im Landkreis habe es solche Probleme zum Glück nur ansatzweise in Lindenberg gegeben. Bislang sei es aber immer gelungen, das wieder einzudämmen, indem die Straftaten schnell und konsequent geahndet werden - 'im Notfall auch durch eine längere Haftstrafe, für die die heutigen Gesetze völlig ausreichen'.

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