Die geheimnisvolle Kajüte der Piraten

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Von Christian Dany | Buchloe Abends, 19.15 Uhr: In der Buchloer Eishalle herrscht riesige Begeisterung. Mit 9:1 fegten die 'Pirates' in den 60 Minuten zuvor ihre Kontrahenten aus Lindau vom Eis. Die Spieler verabschieden sich mit einer Ehrenrunde von den Fans und verschwinden in ihrem Domizil - der Kabine III. Ein Schild mit Totenkopf und Säbel auf der Kabinentür weist deutlich darauf hin: Hier haben nur Spieler, Trainer und Betreuer des ESV Zutritt.

Obwohl die Kajüte der Piraten über drei Meter hoch ist, kommt man sich vor, wie in einem niedrigen Tunnel. Von der Decke hängen - ordentlich auf Bügeln - an Metallstangen etliche Trikots, Brustschutzteile und Schwitzanzüge. Fünfmal in der Woche stehen die Piraten auf dem Eis: dienstags, donnerstags und samstags beim Training, am Freitag und Sonntag zum Spiel. Da müssen die Sachen schnell trocknen.

Bis unter die Decke ist der rund 30 Quadratmeter große Raum voll mit Ausrüstungsteilen. Denn Eishockeyspieler brauchen eine umfangreiche Schutzausrüstung: Von den Schlittschuhen über die verschiedenen Protektoren bis zu Helm, Handschuhen und Schläger kommen fast 20 Einzelteile zusammen. '2004 beim Bau des Dachs sind wir in diese Kabine umgezogen', sagt Betreuer Hermann Lerchner. 'Hier haben wir sogar einen Nebenraum.' Von der hinteren Wand gehen zwei Türen ab: in die Dusche und in einen kleinen Raum für Trainer und Betreuer.

Eine Kaffeemaschine auf dem Tisch zeugt davon, dass Trainer Norbert Zabel hier gelegentlich längere Besprechungen mit Spielern, Betreuern oder dem Vorstand hält. An der Wand hängen die Taktiktafel und ein Bußgeldkatalog. Sportlicher Erfolg funktioniert eben nur mit festen Regeln und Disziplin. Auch die Schläger haben hier ihren Platz, darüber hinaus der Sanitäts- und der Werkzeugkoffer. In weitere Kisten auf dem Boden wird bei Auswärtsspielen das Essen gepackt: 'Würstchen oder Fleischpflanzerl gibt es meistens - einfache Sachen halt', erzählen die Betreuer Lerchner und Erwin Melchert. Die beiden sind bei den 'Pirates' die Herren über sämtliche Utensilien: Plastikbeutel für Eis bei Verletzungen, Isolierband und Säge für die Schläger, Abziehstein für die Schlittschuhkufen, Schraubenzieher, Zange und Hammer.

So akkurat wie im Werkzeugkoffer sieht es auch am Platz einiger Spieler aus: Die Schuhe schön parallel, jedes Teil kommt an seine vorbestimmte Stelle in einer Plastikbox. Bilder von unbekleideten weiblichen Schönheiten sucht man vergeblich. Offensichtlich darf nichts die Konzentration stören.

Mit einem Schmunzeln erzählt Melchert über die Rituale der Spieler beim Umziehen: 'Einer räumt vor seinem Platz immer ein Viereck frei, in das die Schlittschuhe kommen. Da darf dann keiner reintreten, sonst wird er sauer.' Lerchner macht sich derweil an das Abfüllen der Getränkeflaschen fürs Training, als bereits der erste Spieler eintrifft. Noch bleibt Sven Curmann genügend Zeit bis zum Trainingsbeginn. Er beginnt derweil schon einmal, seinen Schläger mit Isolierband zu bekleben.

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