Die Freundin verprügelt

Lindau/Westallgäu | enz | 'Je stürmischer die Polizei bei mir geklingelt hat, umso lauter habe ich die Musik im Radio gestellt.' Mit diesem ehrlichen Bekenntnis wartete der Angeklagte auf. Er hatte seine Freundin verprügelt.

Letztlich wurde das Verfahren gegen den bis dato unbescholtenen Sozialbehinderten gegen Auflagen eingestellt. So muss der in einem Haus für 'Betreutes Wohnen' untergebrachte Mann in den nächsten sechs Monaten von den ihm zur Verfügung stehenden 400 Euro jeweils 50 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung abzwacken. Außerdem wurde ihm auferlegt, mindestens einmal im Monat an einem Erziehungsberatungsgespräch teilzunehmen und für die Dauer von sechs Monaten keinen Tropfen Alkohol zu trinken.

'Da halt ich mich dran', versprach der 28-Jährige. 'Das war schon eine happige Straftat, wenn man sich das Mädchen angeschaut hat, das von ihnen verprügelt worden ist', rüffelte der Staatsanwalt den bekümmert in die Runde schauenden Angeklagten. Laut Ermittlungsergebnis hatte der junge Mann in der Wohnung seiner im gleichen Haus wohnenden Freundin die Beherrschung verloren und die 22-Jährige dermaßen verhauen, dass diese blaue Flecken und Prellungen am ganzen Körper erlitt.

'Das stimmt leider', gab der Beschuldigte zu. Womöglich habe der Alkohol zu seiner Enthemmung beigetragen. 'Aber auch die Freundin', fügte er an und beschwerte sich über deren Gewohnheit, ihm stets und überall die Schuld zu geben.

Nachdem die zum Ort des Geschehens gerufene Polizei den jungen Mann zu dessen Wohnung begleitet hatte, schloss sich dieser ein und puschte die Radiomusik nach jedem Klingeln und Klopfen der um Ruhe bemühten Ordnungshüter auf höhere Lautstärke.

Als sich der Radaubruder nach den hitzigen Vorkommnissen auf dem Balkon abkühlen wollte, blickte er buchstäblich ins Auge des Gesetzes. Der seinerzeit mit Hilfe einer Leiter auf den Balkon gekletterte Polizist erinnerte sich an die Begegnung: 'In der einen Hand hielt er eine Zigarette, in der anderen eine Wodkaflasche, die er bei meinem Anblick so fasste, dass es hätte sein können, dass er damit zuschlägt', schilderte der Beamte. Vorsichtshalber sei der sich Wehrende überwältigt worden.

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