Buchloe
Die Feuerwehr sucht Nachwuchs

Der Jungdrache Grisu hatte in einer TV-Kinderserie der 1980er Jahre Streit mit seinem raubeinigen Vater Fumé. Dieser wollte seinen Sohn zu einem furchterregenden und Feuer speienden Drachen erziehen, doch der Filius hatte einen ganz anderen Traum: Er wollte lieber Feuerwehrmann werden. So wie Christian Kiessling. Der Buchloer ist 27 Jahre alt und inzwischen seit 14 Jahren bei den Floriansjüngern der Stadt. «Ich wollte unbedingt wissen, wie man seinen Mitmenschen helfen und sie aus prekären Situationen retten kann», erzählt er. Seither habe er keine einzige Sekunde im Feuerwehrdienst bereut.

Allerdings gibt es in Buchloe immer weniger Menschen, die sich dafür ebenso begeistern können. 20 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sind derzeit in der Jugendgruppe der Wehr aktiv. Eigentlich eine stattliche Zahl, im Vergleich mit den Feuerwehren in den umliegenden Dörfern aber recht wenig. «Auf dem Land hat die Feuerwehr natürlich noch einen ganz anderen Stellenwert. Außerdem ist dort oft das Angebot an anderen Freizeitaktivitäten nicht so groß», sagt Kiessling. Die mangelnde Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, trage ebenfalls ihren Teil dazu bei. «Aber mit diesem Problem haben auch andere Vereine zu kämpfen», sagt der 27-Jährige.

Insgesamt 1500 Stunden investieren die Buchloer jährlich in die Ausbildung junger Anwärter, dazu kommen bis zu 400 weitere Stunden, in denen das Team um Ausbilder Günther Schuster die Übungen vorbereitet.

Brände löschen, technische Hilfe leisten oder auch Einsätze nach Verkehrsunfällen gehören zum Alltag. Doch Kiessling sieht den Reiz des Hobbys an anderer Stelle: «Es sind das Engagement, anderen Menschen zu helfen, und die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen.» Zudem werde während der Ausbildung viel Wissen vermittelt.

Zwei Jahre lange dauert diese und beinhaltet theoretische wie praktische Stunden. Doch die Grundausbildung ist nicht nur für Jugendliche, sondern auch für ältere Quereinsteiger Pflicht. Von denen gebe es zwar immer wieder mal welche, in den vergangenen zwei Jahren stießen aber gerade einmal sechs Neulinge über 18 Jahre zur Buchloer Wehr dazu.

Sie alle müssen sich insgesamt drei Prüfungen stellen: dem Jugendleistungstest (aus Buchloe nahmen daran zuletzt 14 Floriansjünger teil), dem Wissenstest (16) und der Leistungsprüfung (5). Später, ab dem 18. Lebensjahr, könne man sich sogar weiterbilden, erzählt Kiessling. Etwa zum Atemschutzträger oder Gruppenführer.

Ein weiteres Problem: Immer öfter werde die Wehr alarmiert, immer öfter müssten die Helfer deshalb während der Arbeitszeit ausrücken. Das bringe die Buchloer ab und an in Schwierigkeiten - weil viele nicht in der Gennachstadt, sondern auswärts arbeiten. Kiessling: «Und die Arbeit geht vor, auch wenn uns die meisten Arbeitgeber in dieser Hinsicht sehr entgegen kommen.»

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