Marktoberdorf / Ostallgäu
«Die Bürger müssen Frauen wählen»

Sie sind die einzigen drei Frauen in Rathauschefsesseln im gesamten Landkreis Ostallgäu. Wir haben mit den Bürgermeisterinnen Jutta Breitenmoser (Kraftisried), Brigitte Schröder (Günzach) und Thea Barnsteiner (Görisried) über ihre Erfahrungen im Amt, mit Männern in der Kommunalpolitik und ihr Erfolgsrezept für einen größeren Frauenanteil gesprochen.

Frau Breitenmoser, Sie führen einen Gemeinderat, in dem nur Männer sitzen. Ist es da schwierig, sich durchzusetzen?

Breitenmoser: Nein, eigentlich nicht. Grundsätzlich müssen Entscheidungen auf Fakten fundiert sein. Bei uns funktioniert das sehr gut. Barnsteiner: Ich habe das Gefühl, dass sich Frauen jetzt mehr zutrauen. Eine Frau kommt ans gleiche Ziel, aber vielleicht auf einem anderen Weg. Es ist mehr Intuition dabei. Schröder: Ich wünsche mir einfach mehr Frauen in der Kommunalpolitik. Es gäbe auch viele, die sich gerne engagieren würden, aber von zu Hause zurückgepfiffen wurden. Sie haben alle Kinder. Wie bringen Sie Politik machen und Familie zusammen?

Barnsteiner: Ich glaube, dass das alles eine Frage der Organisation ist. Schröder: Obwohl es schon manchmal ein Spagat ist, akzeptiert meine Familie mein Engagement. Was war denn überhaupt Ihre Motivation, in die Politik zu gehen?

Schröder: Bei mir war es der Willen der Bürger und ich habe mich dazu bereit erklärt. Breitenmoser: Man darf eben nicht immer erwarten, dass es schon irgendwer macht. Ich finde, dass man auf Gemeindeebene einfach viel bewegen und erreichen kann. Aber immer in Zusammenarbeit mit den Bürgern. Barnsteiner: Ich wurde dazu überredet und dachte mir schon manchmal: Was habe ich mir da angetan. Aber man kann viel gestalten und lenken.

Wie sieht es denn mit der Vernetzung von Frauen in der Kommunalpolitik aus? Holen Sie sich manchmal einen Rat von Frau zu Frau?

Schröder: Aus meiner Erfahrung gibt es nicht viel Vernetzung und ich vermisse das etwas. Barnsteiner: Ich besuche regelmäßig Bürgermeisterinnen-Seminare und da kann man sich viel für das Alltägliche rausnehmen. Grundsätzlich sind diese Runden mit ausschließlich Frauen wesentlich offener. Da Jutta Breitenmoser und ich in derselben Verwaltungsgemeinschaft sind, haben wir von Haus aus viel Kontakt. Würde es Sie weiterbringen, wenn es mehr Vernetzung gäbe?

Schröder: Der Landkreis treibt da zwar viel voran, aber man könnte das noch ausbauen und ich wäre bereit, mich da einzubringen. Zusätzlich zu den 50 bis 60 Stunden pro Woche, die das Amt erfordert. Breitenmoser: Ein Engagement in diese Richtung kostet aber auch Zeit, die man selten hat. Es finden so viele Sitzungen statt und man hat oft Probleme, alles unter einen Hut zu bringen. Fühlen Sie sich als Frau in der Politik immer respektiert?

Schröder: In meiner Anfangszeit hatte ich schon öfter das Gefühl, dass Männer denken: Was will denn jetzt diese Hausfrau hier? Aber das hat sich mit der Zeit gegeben. Für manche Räte ist es schon manchmal schwer, Argumente zu schlucken. Aber das haben sie gelernt. Barnsteiner: Da fällt mir ein Spruch von Senta Berger ein: Frauen müssen immer ein bisschen besser sein als Männer.

So habe ich das auch immer empfunden. Allerdings will ich auch nicht akzeptiert werden, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich Kompetenz habe. Es muss immer nur ums Fachliche gehen.

Was machen Frauen in der Politik anders als Männer?

Schröder: Man geht als Frau anders an Themen heran und es gibt nicht so diese Härte in Gesprächen. Barnsteiner: Wir diskutieren schon auch hart, aber als Frau überdenkt man Dinge eher mal. Prinzipiell ist Kommunalpolitik ein Geben und Nehmen, ein Gemeinschaftswerk. Breitenmoser: Wir leben in einer Demokratie, es geht nur zusammen. Das hat wenig mit Mann oder Frau zu tun. Wie sehen denn Ihre Visionen aus?

Barnsteiner: Wir definieren unsere Ziele gerade neu und streben ein energieautarkes Dorf an. Finanziell mag das oft schwierig sein, aber man muss manchmal auch antizyklisch handeln. Auch wenn manche Gemeinderäte eher ans Sparen denken. Breitenmoser: Wir denken auch in diese Richtung. Aber auch eine Fahrradwegverbindung von Kraftisried nach Günzach schwebt mir vor. Wichtig ist, dass man die Bürger an der Politik teilhaben lässt. Schröder: Das haben wir gerade bei der Dorferneuerung festgestellt. Wenn die Bürger dabei sind, akzeptieren sie Entscheidungen auch. Barnsteiner: Man muss die Bürger beteiligen und ihr Fachwissen mit ins Boot holen. Was muss passieren, damit mehr Frauen in die Kommunalpolitik gehen?

Schröder: Ich habe festgestellt, dass man die Frauen direkt ansprechen muss, dann springen sie über ihren Schatten und machen mit. Viele Frauen sind schon wesentlich selbstbewusster als früher. Und sie haben durch Einrichtungen wie Kinderkrippen auch viel mehr Zeit. Breitenmoser: Im Grunde genommen müssen die Männer umdenken. Und auch die Bürger: Sie müssten mehr Frauen wählen.

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