Allgäu
Die Begeisterung für die Eisenbahn hat er sich bewahrt

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Feierabend heißt die neue Serie der Buchloer Zeitung. Sie porträtiert Menschen, die im Ruhestand auf ihr Arbeitsleben zurückblicken, die Bilanz ziehen. Und: Sie berichten von Dingen, wofür sie nun, im neuen Lebensabschnitt, endlich Zeit haben.

Buchloe Die Eisenbahn und ihr Betrieb faszinierten ihn schon als kleinen Buben. Wenn Alois Stadler seinen Vater zur Arbeit bei den Karwendelwerken begleitete, stand er oft am Zaun des Buchloer Bahn-Betriebswerks und schaute gebannt den Rangierern zu. «Einer der Lokführer hat mich immer nass gespritzt», erinnert er sich schmunzelnd. Damals ahnte er nicht, dass er dort oben auf dem Führerstand eines Tages selbst stehen würde.

Seine kindliche Begeisterung für die Eisenbahn hat er sich bis in den Ruhestand hinein bewahrt: «Wir haben für unsere beiden Enkel eine kleine Modellbahn-Anlage gekauft, die wird im Wohnzimmer aufgebaut, wenn sie da sind.» Eines Tages fahren dort vielleicht sogar zwei Lokomotiv-Modelle, die Stadler schon als Jugendlicher selbst zusammengebaut hat. In einem Glasschrank hütet er sie wie einen Schatz.

In Lindenberg geboren und mit vier weiteren Geschwistern aufgewachsen, absolvierte Stadler zunächst eine Lehre als Kfz-Schlosser, ehe es ihn zur Bundeswehr nach München zog. «Danach hatte ich die Wahl: München oder Buchloe, aber ich wollte wieder zurück zu den Wurzeln», erzählt er. Stadler hatte inzwischen seine spätere Frau Gisela kennen gelernt, 1968 wurde geheiratet, in den nächsten Jahren kamen die Töchter Ulrike und Daniela zur Welt.

Der Zufall spielte mit

Von der Isar wieder zurück an der Gennach, spielte der Zufall eine wichtige Rolle im weiteren Leben des Alois Stadler. «Wir hatten einen Schrebergarten der Bahn beim Schloss Rio übernommen. Um uns herum waren nur Eisenbahner, die die Gärten bewirtschafteten», erzählt der heute 62-Jährige. Einer der Nachbarn machte ihn eines Tages darauf aufmerksam, dass die Bahn Lokführer suchte.

Stadler griff diese Chance beim Schopf, bewarb sich, wurde genommen, kündigte seine Stelle und ließ sich ausbilden.

Vom Reserve-Lokführer arbeitete er sich hinauf bis zum Lokomotiv-Betriebsinspektor. Als Personalvertreter engagierte er sich all die Jahre in der Gewerkschaft. «Ich glaube, es hat sich im Lauf der Zeit eine große Liebe zum Beruf entwickelt», blickt er heute zurück. Und das trotz der unregelmäßigen Dienstzeiten. «So manches Weihnachtsfest war meine Frau mit den Kindern allein.» Auch Ausflüge oder Urlaube waren nur schwer planbar. «Man musste schon sehr flexibel sein», sagt Stadler.

Trotzdem: Den Lokführer hat es meist erfüllt, alleine «viel Verantwortung für die Passagiere und das mir anvertraute Material zu übernehmen». Seine Züge steuerte er durch die wunderschöne Voralpenlandschaft, überwiegend im Allgäu. Er arbeitete dort, wo andere Urlaub machen: «Vor allem Fahrten nach Füssen oder Güterzüge nach Schongau habe ich gerne übernommen», sagt der Pensionär.

Schiefe Nase durch Fahrgast

Auf so manche Schneewehe oder betrunkene Fahrgäste in den Oktoberfestzügen hätte er allerdings lieber verzichtet. «Meine schiefe Nase, die kommt auch davon». Ein Oktoberfestbesucher hatte ihm eines Tages in München die Abteiltür direkt ins Gesicht gerammt.

Im Jahr 2001 dann ein weiterer Schreck: Nach einem schlimmen Sturz beim Skifahren war die linke Schulter des damals 53-Jährigen so lädiert, dass ihm der vorzeitige Ruhestand drohte. Hinzu kamen massive Bandscheibenprobleme («eine typische Lokführer-Krankheit»). «Damals stand ich oft mit dem Hund am Bahngleis und schaute etwas wehmütig den Zügen hinterher. Aber es ging einfach nicht mehr.» Stadler wurde die Pensionsurkunde überreicht.

Mittlerweile ist er gesundheitlich wieder auf dem Damm, hat neue Ziele für sich ausgemacht und eine ganz neue Leidenschaft: Mit seiner BMW 1200 begibt er sich zusammen mit Gleichgesinnten auf Touren durch die Alpen gen Süden. Seinen beiden Enkelkindern lernt er das Skifahren; im Wald macht er Holz; mit seinem alten Traktor fährt er zu Oldtimer-Treffen.

«Langweilig wirds mir nicht im Ruhestand», meint Stadler: «Vor allem mit dem Motorrad - da habe ich mir einen Traum erfüllt, für den früher weder Zeit noch Geld da war.»

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