Aitrang
Die Bahn rauscht weiter an Aitrang vorbei

Wer nach Aitrang will, muss auch in Zukunft auf Auto, Bus oder Fahrrad zurückgreifen: Die Träume von einem Bahnhalt in Aitrang haben sich zerschlagen. «Kein volkswirtschaftlicher Nutzen» lautet die knallharte Analyse des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Es gebe nur eine «bedingte Wahrscheinlichkeit», dass die für ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis erforderliche Ein- und Aussteigerzahl von mindestens 140 pro Tag erreicht werden kann. Somit werde das Projekt «nicht weiterverfolgt», heißt es in einer Mitteilung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums.

Das Ministerium hatte ein sogenanntes Projektdossierverfahren durchgeführt, bei dem Kosten, Fahrgastpotenzial und Kosten-Nutzen-Verhältnis des Haltepunkts überprüft wurden. Ein von der Deutschen Bahn erledigter Grobcheck hatte ergeben, dass ein 240 Meter langer Bahnsteig etwa 1,4 Millionen Euro kosten würde. Ursprünglich war man von rund 800000 Euro ausgegangen.

«Wir sind die ganze Geschichte schon mit relativ geringen Hoffnungen angegangen, deshalb ist die Enttäuschung nicht so groß», sagt Aitrangs Bürgermeister Jürgen Schweikart. Zufrieden ist er mit der Situation trotzdem nicht: «Es wäre ein zusätzliches Angebot für viele Aitranger Senioren und Pendler gewesen.» Laut Schweikart arbeiten viele Aitranger in Kempten und müssen jeden Tag mit dem Bus nach Kaufbeuren, um von dort den Zug - durch Aitrang - nach Kempten zu nehmen.

Schweikart kann auch mit einer dezenten Kritik an dem standardisierten Verfahren nicht hinterm Berg halten: In die Prognose wurden laut dem Rathauschef viele Rentner und Touristen nicht mit aufgenommen. «Das verfälscht die Prognose aus unserer Sicht», sagt Schweikart.

Man sei aber nicht weltfremd und wisse schon, dass das Anliegen schwierig zu realisieren sei. Die Gemeinde will sich nun mit den Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (FW), Angelika Schorer (CSU) und Dr. Paul Wengert (SPD) kurzschließen, damit diese das Vorhaben im Landtag vorbringen. Zudem werde man sich mit dem Landratsamt zusammensetzen, um den Öffentlichen Personennahverkehr zu modellieren, so Schweikart. «Vielleicht können wir ein Anrufsammeltaxi einrichten, das Aitrang mit dem Bahnhof in Günzach verbindet.»

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