Kempten
Der Weg raus aus der Schmuddelecke

Gestern hatte er seine letzte Sitzung im Werkausschuss, heute ist er auf dem Weg in seine neue Heimat Ungarn: Bis zum Schluss blieb Eduard Bühler seiner Leidenschaft, der Kommunalpolitik, treu. 25 Jahre lang saß er für die Grünen im Stadtrat. Als Mitbegründer der Partei vor 30 Jahren und Mitarbeiter der Grünen Bundestagsfraktion hatte er zudem mit den Großen der Bundespolitik zu tun. Dabei fing sein politischer Werdegang in der SPD an.

«Mein Vater war eingefleischter Sozialdemokrat und ich später dann Vorsitzender der Allgäuer Jusos.» Doch als sich die SPD unter Helmut Schmidt wandelte, trat er aus. Eine neue Heimat fand er bei den Grünen, an deren Gründung er auf allen Ebenen beteiligt war.

«Wir waren damals der Stachel im Fleisch der Etablierten, die Schmuddelkinder in der Politik.» Das habe er vor 25 Jahren auch im Stadtrat zu spüren bekommen, wo ihn viele aus den Reihen der CSU ignoriert hätten. Oder der damalige Oberbürgermeister Josef Höß: Als sie sich bei der Einweihung eines Behinderten-Wohnheims trafen, habe der OB ihn so begrüßt: «Natürlich wieder keine Krawatte an, aber wenigstens ist er gewaschen.»

Aus der Schmuddelecke sind die Grünen mittlerweile heraus. Bühler: «Aber nicht weil wir uns so angepasst haben, sondern weil sich Politik und Gesellschaft unseren Ideen geöffnet haben.» Heute kann er mit allen Parteien oder Wirtschafts-Vertretern zusammenarbeiten. Besonders fruchtbar sei dies mit CSU-Politiker und Landrat Gebhard Kaiser gewesen: «Lange Abende haben wir im ZAK darüber diskutiert, wie wir das Müllproblem lösen.»

In Kempten hatten die Grünen ihre erfolgreichste Zeit unter Oberbürgermeister Wolfgang Roßmann: «Da waren wir in vielen Dingen die Antreiber, die Ideengeber.» Und sein größter persönlicher Erfolg? «Vor vielen Jahren habe ich einen Iraner, der kurz vor der Abschiebung stand, durch meine Beziehungen als Stadtrat davor bewahrt, dass er zurück in den Iran geschickt wurde. Dort drohte ihm der Tod.» Der Mann lebt immer noch in Kempten.

Worüber er sich am meisten ärgerte? «Dass wir trotz unseres Erfolgs bei den letzten Wahlen im Stadtrat bei der Besetzung der Aufsichtsrats-Posten so abgewatscht wurden.» Das lastet er auch dem jetzigen Oberbürgermeister Ulrich Netzer an. Dem wünscht er «mehr Souveränität in seinem Amt».

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