Der süße Ton betört

Von Manuel Stangorra Fischen Mit ihrem jüngsten Duo-Recital im Fischinger Kurhaus Fiskina stellten der junge deutsche Geiger Florian Meierott (München) und seine charmante Pianistin Iris Schmid ein klassisch-romantisch geprägtes Konzert auf die Bühne. Zahlreiche Zuhörer hatten sich Zeit genommen und genossen die teils anregende, teils aufbrausende Musik von Beethoven, Mozart, Smetana und Brahms. Die Künstler begannen mit Mozarts 1784 entstandener Sonate B-Dur KV 454. Dabei zeichneten sie eine schöne Entwicklung der drei Sätze Largo-Allegro, Andante und Allegretto nach. Florian Meierott stellte von Beginn an unter Beweis, dass er die Musik vollkommen in sich aufgenommen hat (auswendiger Vortrag) und führte schmerzgepackt und voller Grollen durch die Durchführung des Allegro-Kopfsatzes. Auch seine Partnerin am Klavier überzeugte wenngleich etwas spröde mit einer soliden Leistung am herrlich voluminösen Grotrian-Steinweg-D-Flügel, der mit seinen 2,77 Metern Länge wirklich satte Bässe hervorbrachte. Manchmal gelang es Meierott in seinen aufeinander folgenden Aufstrichen zwar nicht, die volle Bogenbeherrschung zu behalten, doch insgesamt war sein Ton ausdrucksvoll. Die weichen Passagen liebt er wohl am meisten, verwendet dafür sehr viel Hingabe. Sehr publikumswirksame Werke sind die Zwei Stücke für Violine und Klavier Aus der Heimat von dem Böhmen Bedrich Smetana. Das erstere Moderato darf ruhig noch brillanter klingen am Klavier, da bestand noch Ausbaufähigkeit. Florian Meierott legte sich mit leicht bizarrem Antlitz in die Kurven dieser wunderbar romantisch-verträumten, lyrisch-beseelten Melodien. Sein Spiel war inbrünstig.

Auch dynamisch vermochte er vom Pianissimo bis zum satten Forte zu variieren. In der Introduktion zum Andantino führte er seine Sicherheit in den Hochlagen der Violine dem Publikum zu Gemüte und ließ es sich nicht nehmen, mit einer gehörigen Portion Schmalz (bei seinen Glissandi) Smetanas Heimatliebe nachzuempfinden. So liebten es die Zuhörer. Das Rausschmeißer-Moderato vollendete strahlend und humorvoll dieses selten zu hörende Schmankerl des Violinrepertoires. Nach der Pause folgte Beethovens rasant schwierige Kreutzersonate. Ein Prüfstein für jeden Interpreten, der etwas auf sich hält. Mit ihrem hohen Maß an investiertem Fleiß es gibt sogar eine CD-Aufnahme, die über das Label Amphion vertrieben wird näherten sich die beiden Ausführenden Beethovens Opus 47. Der Hörer spürte sogleich, dass Iris Schmid und Florian Meierott ein eingespieltes Team sind. Zwar gab es technisch ein paar Unebenheiten, aber wer ist schon makellos? Im langsamen Satz Adagio sostenuto verströmte ein wohliger Klang; im Presto-Finale schlug Iris Schmid ein forsches Grundtempo an. Florian Meierott ließ seiner Spiellaune freien Lauf, führte virtuos auf seiner kostbaren Giambattista-Roger-Violine (Cremona 1693) durch den Quintenzirkel wenn er auch selten dynamisch einmal aufs Ganze ging. Brahms gen Ende stimmte versöhnlich - und der frischgebackene Rotary-Kulturpreisträger der Stadt Würzburg bescherte den Hörern in der wunderbaren Akustik des Fiskina-Saales ein vollkommenes Klangerlebnis bei befreitem Musizieren. Sein süßer Ton betörte und sein Bogenstrich glänzte mit weicher Kantabilität. Da hätte es der zwei Zugaben - Elgar und Bach gar nicht mehr bedurft.

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