Der silbrige Klang

Von Anna Köhl Oberstaufen Eine außergewöhnlich moderate Frau ist diese Anja Heinz: Charmant und locker führte sie ihr Publikum durch verschiedene Länder, würzte ihre Beiträge mit kleinen Apercus und schaffte gekonnt eine völlig entspannte Atmosphäre. Eine Powerfrau mit Entertainerqualität. Aber eigentlich ist sie Harfenistin und Sängerin. Und dazu beides gleichzeitig. In der Oberstaufener Schlossbergklinik war sie zu hören und zu sehen. Auch letzteres ist wichtig, denn Anja Heinz an ihrer Harfe bietet nicht nur Ohren-, sondern mindestens genauso Augenschmaus. Wie sie ihr Instrument beherrscht, die Hände geschwind über die Saiten schweben lässt, die Stimme erhebt und zum Träumen, Entspannen oder Mitgehen einlädt. Je nach musikalischer Stimmung und der kleinen Erzählung, die jedem Stück voranging. Gekonnt und selten Immer wenn man gerade bei einem Problem endlich losgelassen hat, kommt garantiert das nächste, erzählte sie frei von der Leber weg, und begann nach dem klassischen Programm mit ihrer Jazzballade: I let you go. Und tatsächlich, zum eigenen Harfenspiel begann sie zu singen, eigentlich unfassbar. Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern äußerst selten.

Nicht nur virtuos, sondern gekonnt. Aber der eigentliche Höhepunkt kam nach der Pause. Nun wurde die irisch-keltische Harfe positioniert. Früher wurde die Harfe mit Nägeln gespielt, erzählte die Musikerin. Und bei der irischen Harfe versucht man, diese Klangqualität zu erreichen. Selbst wenn man noch niemals Irland besucht hat, so genügten die ersten Takte und man meinte irische Luft zu schnuppern. Und plötzlich war auch völlig klar, dass Anja Heinz die absolute Folkstimme hat. Das überzeugte und ließ sich nicht mehr ändern. Zwar konnte sie auch im letzten, dem südamerikanischen Teil ihr Publikum mitreißen, aber der silbrige Klang, der in die Weite geht, gehört dem Folk. Da kamen Stimme, Instrument, Bewegung und selbst der Gesichtsausdruck am stärksten zueinander. Zum wiederholten Male trat die Harfendozentin im Saal der Schlossbergklinik auf. Man sitzt vor gigantischen Panoramafenstern, blickt auf die Berge mit den letzten Sonnenstrahlen und lauscht einer besonderen Musik in einem besonderen Ambiente. Gleichzeitig vermochte die Künstlerin auch in ihren Reden und Erzählungen immer den genau richtigen Ton zu treffen und überzeugte durch die gelungene Gesamtkomposition des ganzen Abends.

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