Der Pfarrer nimmt sich selbst aufs Korn

Westallgäul ver/ins l Es gibt Fragen, welche die Menschheit spalten. Zum Beispiel: Gehört auf Nutella- und Leberwurstbrot nun Butter oder nicht? und: Ist Techno Musik oder eine Krankheit? Mit dem Fasching ist das auch so eine Sache: Die einen stürzen sich begeistert ins Getümmel, die anderen möchten am liebsten ganz zuhause bleiben, um dem närrischen Treiben zu entgehen. Auch bei Pfarrern im Westallgäu gibt es verschiedene Fraktionen, wie unsere kleine Umfrage ergab.

Die Faschingsfans: 'Wir haben schon als Kinder oft Fasching nachgespielt', sagt Pfarrer Martin Weber aus Opfenbach - eine Leidenschaft, die ihm geblieben ist. Denn in der Faschingszeit ist er mit vollem Elan - und oft in voller Verkleidung - im Einsatz. Am Donnerstag stand er beim Frauenbund beispielsweise in Maria-Thann als fünfter Bewerber für das Amt des Landrats mit Büttenrede auf der Bühne. Gestatten: Kandidat Gerhard Köder von den Blauen. 'Mich wundert immer, dass die Leute so überrascht sind, dass ein Pfarrer auch lustig sein kann.' In der Kirche hält Weber es nicht für angebracht, Witze zu reißen, aber der Seelsorger findet es 'schön, dass man im Fasching mal eine andere Seite von sich zeigen darf'.

Ähnlich sieht das Pfarrer Xaver Schmid aus Heimenkirch. Für ihn gehört Fasching zum Jahreslauf und er findet es 'wichtig, gut und schön', dass man zu dieser Zeit feiert. Tradition hat laut Schmid in Heimenkirch eine gereimte Predigt am Faschingssonntag, 'dabei nehme ich die Ereignisse in der Pfarrei und mich selbst aufs Korn'. Wichtig ist dem Seelsorger dabei aber, dass in der Kirche 'kein Klamauk' geboten wird. Heuer kommt der Pfarrer aus Termin- und persönlichen Gründen nicht zum Dichten. Dafür steht am Faschingssonntag um 9.30 Uhr laut Schmid ein Familiengottesdienst an, 'bei dem die Kinder maskiert kommen dürfen'. Ansonsten ist der Pfarrer bei den Veranstaltungen der Gruppierungen seiner Pfarrei dabei.

Die Faschingsmuffel bilden laut unserer nicht repräsentativen Erhebung in der Westallgäuer Geistlichkeit die Mehrheit - eine Untersuchung in der Redaktion der Heimatzeitung würde übrigens ein ähnliches Bild ergeben: 'Da bin ich keine dankbare Ansprechpartnerin' macht etwa Pfarrerin Ingrid Ossig aus Scheidegg deutlich, als sie auf das Thema Fasching angesprochen wird. Ihr Kollege Martin Strauß aus Lindenberg drückt es so aus: 'Ich habe nicht viel am Hut damit.' In seiner Heimat Unter- und Mittelfranken gebe es nicht die Tradition, dass Erwachsene zum Fasching gehen. Entsprechend hat Strauß die Verkleiderei mit den Kinderschuhen abgelegt. Pfarrer Rudolf Sinz aus Weiler gibt zu, bei einem Ball 'durch die Hintertür verschwunden' zu sein. 'Ich bin ein Faschingsmuffel. Meine Schuhe gehen nicht kaputt', sagt er ganz deutlich.

Unentschieden: So ein bisschen Fasching gönnt sich Pfarrer Herbert Mader aus Stiefenhofen schon: 'Ich bin aufgeschlossen für das Lustigsein', sagt er. Und so hat Mader den Frauenbundfasching in Stiefenhofen besucht und geht am Rosenmontag auch zum Fasching des Pfarrgemeinderats nach Grünenbach. 'Das ist immer recht nett', erklärt der Geistliche. Allerdings schlüpft er in keine närrische Kleidung. Und zwar aus Zeitmangel. 'Ich wüsste schon, was ich machen könnte', überlegt er laut, 'aber dafür müsste ich viel Zeit investieren. und die habe ich nicht.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019