Buchloe
Der passende Beruf

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Die beiden Mädchen sitzen auf dem Fenstersims und schauen interessiert zu. Beim Schrauben, Löten und Bohren. Am Bausatz arbeiten aber nur ihre Mitschüler. Das sei doch selbstverständlich, meint einer von ihnen. Schließlich sei die Elektronik doch nur was für Männer. Elisabeth (14) und Melina (14) sind da anderer Meinung. «Technische Berufe interessieren mich schon», sagt Elisabeth. Und deshalb besucht sie eine Stunde später auch noch den Vortrag über die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Über 20 verschiedene Lehrberufe haben 17 Firmen beim Ausbildungsgipfel der Buchloer Realschule vorgestellt. Bereits zum dritten Mal hat die Schule diese Veranstaltung zur Berufsorientierung organisiert. «Wir wollen unseren Neuntklässlern auf diese Weise die Wahl des passenden Berufs einfacher machen», sagt Lehrer Rudolf Bauer. Die 120 Neuntklässler durften den Vormittag ganz nach ihren Wünschen gestalten und sich vier Gebiete auswählen. Vor allem bei Polizei und Zoll platzten die Klassenzimmer fast aus allen Nähten. Für Bauer keine Überraschung: «Die Schüler suchen in Zeiten der Wirtschaftskrise nach sicheren Jobs.» Und da scheint der Staat als Arbeitgeber eine gute Adresse zu sein. Bei vielen der Mädchen und Buben ist die Aufmerksamkeit aber schon verschwunden, als die Ausbilder von den harten Anforderungen erzählen.

Vom Sporttest, einer Mindestgröße, geforderten Notendurchschnitten sowie maximalen Werten bei Kurz- und Weitsichtigkeit. Manche Schüler seien ein Jahr vor Ende ihrer Schulzeit noch recht blauäugig, meint Bauer. Andere hingegen wüssten bereits sehr genau, was sie wollen. Wie zum Beispiel Florian.

Der 15-Jährige sitzt als einziger Junge unter fast 30 Mädchen bei einem Vortrag über die Ausbildung zur Erzieherin und beteiligt sich interessiert. Dann gibt er aber zu: «Ich sitze hier nur, weil mich diese Stunde kein anderer Beruf interessiert hat. Ich gehe ganz sicher zur Bundeswehr.» Immerhin macht der Vertreter der Sozialakademie den wirklich interessierten Schülerinnen große Hoffnung. «Wir bieten Euch fast zu 100 Prozent eine Lehrstelle», sagt er. Gerade in größeren Städten gebe es viel zu wenig Erzieherinnen.

Auch der 14-jährige Sebastian hat schon feste Absichten: Er will Bauzeichner werden. Auch von den geforderten guten Noten in Mathematik und Physik lässt er sich nicht abschrecken. «Mein Vater arbeitet auch in diesem Metier», erklärt er. Daher wisse er schon, was auf ihn zukommt. Auch wenn Thomas Stückl, Diplom-Ingenieur bei der Buchloer Firma Hörmann, einschränkt: «Bei uns wird zum größten Teil im Stall- und Holzbau gearbeitet.» Ein kleiner Teilbereich eines Bauzeichners.

Während sich bei Hilti vermehrt Buben über Mechatronik und Elektronik informieren, sind bei der Berufsfachschule für Glas und Schmuck die Mädchen in der Überzahl.

Zur Auswahl standen des Weiteren Berufe wie Bankkaufmann/-frau, Industriemechaniker, Bürokaufmann/-frau, Molkereifachmann, Metallbauer oder Ausbildungen im sozialen und medizinischen Bereich. Den klassischen Beruf nach der Mittleren Reife gebe es nicht mehr, erklärt Bauer.

Das war auch Inhalt einer Podiumsdiskussion am Abend. Mit dabei waren Vertreter der Industrie- und Handelskammer, der Beruflichen Oberschule Kaufbeuren und der Arbeitsagentur. Die Anforderungen an die Schulabgänger seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, hieß es. Die Experten verrieten unter anderem, worauf es schon im Bewerbungsschreiben und einem anschließenden Gespräch ankomme. Der 14-jährige Moritz fühlt sich dabei von der Schule gut unterstützt. «Man merkt den wachsenden Druck im Unterricht zwar. Aber die Schule hilft uns, dass wir uns auf der Suche nach einer Lehrstelle leichter tun», sagt er.

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