Neugablonz
Der markante Bass

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Wenn ein Ensemble von hinten durch die Zuschauerreihen zur Bühne kommt, dann muss es sich nicht zwangsläufig um Canadian Brass handeln. Gunther Emmerlich und das Dresden Swing Quartett praktizierten es bei ihrem Auftritt im Gablonzer Haus ebenso und hatten somit schnell die Aufmerksamkeit des Publikums erlangt. Der Opernsänger und Entertainer Emmerlich («Der reine E-Künstler bin ich nie gewesen») hat inzwischen auch seine schriftstellerische Ader entdeckt und las zwischen den einzelnen Musiknummern einige sehr unterhaltsame Geschichten aus seinem Buch «Ich wollte mich mal ausreden lassen».

Das schriftstellerische Talent dieses Sängers ist kaum schwächer ausgeprägt als sein stimmliches. Er schreibt mit sehr guter Beobachtungsgabe, feiner Ironie und einem alles andere als langweiligen sprachlichen Stil. Situationskomik bringt er, ohne zu übertreiben auf den Punkt. Beim Schreiben hat er Zeit zum Nachdenken und so sitzt nahezu jede Pointe - ein wohltuender Kontrast zu den vereinzelten platten Kalauern, die ihm ab und zu nach bester Gottschalk-Manier in seine Moderationen reinrutschen.

Er erzählt von seiner Heimat in Ostthüringen, von seiner älteren Schwester, die sich heute noch als seine Erziehungsberechtigte sieht, oder von der Faszination des Englischen, das als fakultatives Schulfach weit mehr Spaß gemacht habe, als das verpflichtende Russisch. Über sein Verhältnis zum DDR-Staat trägt Emmerlich, der bekanntermaßen immer wieder ein offenes Wort riskiert hat, in Neugablonz kein Wort vor.

Im Buch selbst finden sich jedoch genügend Hinweise dazu. Auch auf Themen wie den mit einer eventuellen Ausreise aus der DDR verbundenen Verlust der Heimat geht er näher ein.

Dass Emmerlich seine Heimat liebt, hört man schon im ersten gesungenen Vortrag: Ein im Dialekt vorgetragenes, 350 Jahre altes «Klagelied eines thüringischen Dorfknechts». Ansonsten bleibt er musikalisch ganz in den Bereichen Jazz, Musical und alter Schlager. Gershwins «I got plenty o nuttin» aus «Porgy and Bess» hörte man ebenso wie den «Ol Man River» aus dem Musical «Show Boat» oder die Ballade vom «Wandrin Star» aus Frederick Loewes «Paint your Waggon». Nach Louis Armstrongs «What a Wonderful World» wechselte er die Sprache und beschloss sein musikalisches Programm mit deutschen Titeln.

Neben «Noah» (Bruce Low) und dem Peter Kreuder-Evergreen «Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt» erntete er besonderen Beifall für eine textliche Neufassung von «Bei mir bist du schön». Joachim Buch

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