Allgäu
Der Mann und sein Damm

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In unserer neuen Rubrik «Gesichter & Geschichten» wollen wir in loser Folge Menschen vorstellen, die etwas zu erzählen haben. Im Mittelpunkt stehen Westallgäuer, die von besonderen Erlebnissen, außergewöhnlichen Berufen, bewegenden persönlichen Schicksalen oder besonderen Ideen berichten.

Keiner kennt den Rentershofener Bahndamm so gut wie er. Er hat ihn vermessen, erforscht, nachgebaut. Der Röthenbacher Rupert Knestel wandert seit 2004 mit Interessierten rund um den Damm. Und beiläufig vermittelt er ein bisschen Heimatkunde.

901 Meter lang, bis zu 53 Meter hoch und allein von Menschenhand errichtet. Der Rentershofener Bahndamm gilt als bedeutendes Bauwerk. Rupert Knestel könnte stundenlang über den Damm sprechen, der keine 100 Meter von seinem Haus entfernt ist. Auf seinen Wanderungen für den Röthenbacher Heimatverein beschränkt er sich auf zweieinhalb.

«Ich bin da so reingeschlittert», antwortet Knestel auf die Frage nach dem Ursprung seines Interesses und lacht. Wenn er vom Bahndamm erzählt, kann man mehr als nur Interesse heraushören. Leidenschaft? Ein enger persönlicher Bezug ist jedenfalls nicht abstreitbar. «Ich wohne nebendran und bin auch in der Nähe geboren», erzählt der ehemalige Postler.

Auf der Terrasse vor seinem Haus sitzend schweift Knestels Blick über einen bewaldeten Hügel. Hinter den Bäumen auf der Anhöhe versteckt befinden sich die Gleise. «Ursprünglich war eine Brücke vorgesehen», berichtet Knestel. Dafür war der moorige Wiesengrund aber ungeeignet. 1846 entschied sich die königliche Regierung für den Bau des Dammes. Er ist Teil der König Ludwig Nordsüdbahn, die von Hof nach Lindau führt.

Eigentlich war der Rentershofener Bahndamm eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aufgrund der hohen Arbeitslosenquote der damaligen Zeit. Ungefähr 2200000 Kubikmeter Füllmaterial wurden mit Schubkarren, Loren und Rutschen allein von Menschenhand transportiert. Die Arbeiter kamen aus der Umgebung, aber hauptsächlich von weiter weg: aus Vorarlberg, der Schweiz, Württemberg und der Rheinpfalz. All dies erforscht Knestel und reist dafür auch extra mal nach Nürnberg.

«Die Arbeit, die dahinter steckt, sieht man nicht groß», sagt der 63-Jährige. Vor seinen Führungen heißt es für den Rentner die Wege begehbar machen, Bäume aus dem Weg räumen und mähen. Um den Bahndamm zu vermessen, ist Knestel mit einem Maßband bewaffnet losgezogen. «Mit einfachsten Mitteln haben mein Sohn und ich gemossen», erzählt Knestel.

Für die Jubiläumsausstellung 2003 zum 150-jährigen Bestehen hat er sogar ein Modell des Dammes gebaut.

Energie durch Begeisterung

Dem Bauwerk opfert der Röthenbacher sehr viel Zeit und Energie. Letztere schöpft er aus seiner Begeisterung: «Die haben das so toll gemacht damals», schwärmt er. Außerdem will Knestel das Wissen um den Damm teilen. «Viele aus nächster Nähe und von der eigenen Gemeinde haben nichts vom Bahndamm gewusst», erzählt er. Das ändert sich allmählich. Und wer das Bauwerk immer noch nicht kennt, der begleitet Knestel am besten auf eine seiner Führungen. Schließlich kennt keiner den Rentershofener Bahndamm so gut wie er.

Termin: Die nächste Führung findet am Samstag, 19. September um 14 Uhr statt. Näheres beim Gästeamt Röthenbach unter Telefon (08384) 1816.

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