Füssen
Der Mann für die Muskeln

«Ich glaube, dass ich meine Familie drei Wochen nicht sehe, das ist das Schwierigste an Olympia.» Doch Harald Fritsch kann auf das Verständnis von Ehefrau Astrid und Sohnemann Lukas bauen, wenn er am Montag als Physiotherapeut der deutschen Curler nach Vancouver abfliegt. Schließlich fährt der 51-Jährige ja nicht jedes Jahr zu Olympischen Spielen. Und wenn dann nach diesen drei Wochen seine Teams sogar noch olympisches Edelmetall gewännen, dann wäre der Traum doppelt in Erfüllung gegangen.

Seine ersten Olympischen Spiele erlebte Harald Fritsch 1992 in Albertville in Frankreich, damals aber nur als «Zaungast» über den Deutschen Skiverband (DSV). 1994 in Lillehammer in Norwegen war er als Physiotherapeut in «Teilmission» olympisch unterwegs mit den Technikern des Ski-Nationalteams. Bei Weltmeisterschaften kümmerte er sich wie sein früherer Praxis-Partner Albert Jakob im Auftrag des Deutschen Eishockey-Bundes um die Spieler. Doch so richtig als Physiotherapeut und damit als Hauptverantwortlicher für die körperliche Verfassung der Sportler - das erlebt Fritsch erst jetzt über den Deutschen Curling-Verband (DCV).

Schon seit fünf Jahren betreut er die jeweilige Curling-Mannschaft, die Deutschland international vertritt. «In diesem Sport müssen die Teams eingespielt sein, da kann man nichts zusammenwürfeln», weiß Fritsch. Dass zu den erfolgreichsten deutschen Mannschaften die Curler des CC Füssen um Andy Kapp zählen, die jetzt auch in Vancouver antreten, bedeutet einen gewissen Heimvorteil.

Die Europameisterschaft in Aberdeen waren für die Curler (Team Andrea Schöpp, Garmisch), Nationaltrainer Oliver Axnick, ebenfalls ein Füssener, und Physiotherapeut der Probelauf für Olympia. «Medizinisch und technisch hat alles wunderbar geklappt. Dass sportlich nicht so viel zu holen ist - mein Gott, das kann in diesem diffizilen Sport immer passieren», bleibt Fritsch gelassen.

Im Sommer leitete er das Athletiktraining in seiner Praxis in den Maschinen. Nichts wurde laut Fritsch außer Acht gelassen, alles genauestens bedacht und überprüft: «Die Vorbereitungen waren optimal, damit haben wir eine wirklich gute Grundlage geschaffen.» Was Harald Fritsch nicht schaffen kann, übernehmen für die Curlingteams Oliver Axnick und ein Mentaltrainer. «Oli hat es voll drauf, es ist einfach sensationell, wie der die Mannschaft führen und motivieren kann», bewundert Fritsch den ehemaligen aktiven Curler, der heuer «Trainer des Jahres» in Füssen wurde.

Das Besondere an den Wettkämpfen bei Olympia ist, dass die Curler anders als bei WM oder EM nur ein Spiel pro Tag absolvieren. «Das heißt, wir müssen in der Mannschaft dafür sorgen, dass die Spannung nicht verloren geht - weder physisch noch psychisch», erklärt Harald Fritsch.

So hofft der Physiotherapeut, dass die Füssener Curler in Vancouver nur gute Tage haben: «Wir stehen nicht so unter Druck wie zum Beispiel die Nordamerikaner.» Deshalb ist er auch überzeugt, dass die Curling-Mannschaft die ganzen drei Wochen in Vancouver bleibt. Das Endspiel ist erst am vorletzten Tag.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019