Der Löwe auf dem Thron soll arbeiten

von andreas filke | Marktoberdorf 'Geboren' am 26. Juli 1953 im Zeichen des Löwen, Aszendent Skorpion. Es herrscht Vollmond. Unter diesen kosmischen Bedingungen wurde die Stadterhebungsurkunde übergeben. Aus dem Markt Oberdorf wurde die Stadt Marktoberdorf. Eben diese Sterne am Firmament sehen sie, so erklärt der Astrologe Helfried Wachsmann aus Sulzschneid, als etwas, das für Verlässlichkeit, für Zuverlässigkeit steht. Das klingt gut, im ersten Moment. Die Schattenseite: 'Das geht einher mit Starrheit und Stillstand.'

Wachsmann geht ins Detail. 'Das Element Luft ist betont', zeigt er auf die säulenförmige Grafik. Es beschreibe die Denkebene. An zweiter Stelle steht fast gleichauf das 'Feuer'. Das spreche für Tatendrang und Selbstvertrauen. In der Kombination sehr positive Eigenschaften.

Verstörter Blick auf die 'Erde'

Und da gibt es ja noch das Element 'Erde'. Es sei ein Zeichen, erklärt der Experte, für das Konkrete, für das, was tatsächlich umgesetzt wird. Diese Grafik lässt einen eher verstörten Betrachter zurück: 'Wo ist das denn abzulesen?' 'Das ist es ja', sagt er, 'das ist fast nicht vorhanden.' Das heißt? 'Die praktische Umsetzung der gedanklichen Ziele fällt oft schwer.' Ups. Das klingt nicht so toll für das Grundwesen der Stadt Marktoberdorf. Für sie erstellte Wachsmann das Horoskop. Was für den Menschen gelte, lasse sich auch für Städte, Firmen und andere Einrichtungen erarbeiten.

Vieles drängt ans Licht

Interessant ist ebenso der Blick auf die Gestirne. Bis auf den Mond befinden sich die Sonne und fast alle Planeten auf der Tagseite. Auf die Stadt übertragen bedeutet dies: Seit Anbeginn stünden die Repräsentanten der Stadt und die beherrschenden Parteien im Rat im Licht, öffentlich und sichtbar: 'Wir geben den Ton an.' Die Sonne als Wesensstern der Stadt im Sternzeichen Löwen verstärke diesen Eindruck. Es gehe, so Wachsmann, dabei auch um Autorität und Machterhaltung. Die grundsätzlich freundliche Ausstrahlung könne daher leicht in Selbstherrlichkeit ausufern.

Widersprüche tun sich auf

Das Geburtshoroskop sieht den Löwen im neunten Haus. Und das berge einen gewaltigen Widerspruch. Auf der einen Seite sitzt der Löwen auf seinem Thron, will in Ruhe gelassen werden und strahlt - positiv ausgedrückt - Beständigkeit aus. Auf der anderen Seite bedeute das neunte Haus Weiterentwicklung, Bewegung, Expansion in räumlicher und geistiger Hinsicht. Es fordert, Grenzen zu überschreiten und den Horizont zu erweitern. Verstärkt werde dies, weil gleich vier Planeten in diesem neunten Haus stehen.

Es schwant einem Böses

Auf der Nachtseite befindet sich der Mond. Er sei ein Zeichen für die Bürger und die, wenn man so will, kleineren Parteien im Stadtrat. Zum Zeitpunkt der Stadterhebung standen sich, astrologisch betrachtet, Sonne und Mond gegenüber. Im Grunde sei das positiv. Der Bürger sei bei dieser Konstellation 'ein idealer Nährboden für die Umsetzung der Ziele.' Eigentlich. Denn ausgerechnet an jenem 26. Juli 1953 befand sich die Erde exakt zwischen Sonne und Mond. 'Das klingt nicht gut', schwant dem Zuhörer Böses. 'Stimmt', sagt Wachsmann. 'Die Erde wirkt wie eine Milchglasscheibe. Man weiß voneinander, sieht und hört sich aber nicht.' Au weia, fast wie im richtigen Leben.

Hinzu komme - als das nicht schlimm genug -, dass der Mond im Zeichen Wassermann steht. 'Das symbolisiert das Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Das Volk besteht gleichsam aus Revoluzzern oder Eigenbrötlern.' Sagt zumindest das Horoskop. Woher weiß das so was?

Besserung in Sicht?

Entscheidender ist: Lässt sich da etwas ändern? 'Ja', deutet Wachsmann auf das Solarhoroskop. Aufatmen. Drei der langsamen Läufer - Planeten also, deren Umlaufbahn länger als ein Erdenjahr dauert - wechseln derzeit von einem Erd- in ein Feuerzeichen. Generell gehe es nun verstärkt um Verantwortung, um das Gemeinwohl, um Sicherheit und Werte. Das Ende der Spaßgesellschaft ist gekommen.

Genau in diesen Stimmungswandel fällt die Kommunalwahl. Auch das Horoskop sehe ein wichtiges Jahr, 'obwohl es von der Wahl ja gar nichts wissen kann'. Im Klartext heißt das: 'Es besteht vermehrt die Chance, die Milchglasscheibe zu durchschlagen und die Bürger zu erreichen.' Das Horoskop berge die Aufforderung, Ziele auch einmal anders anzugehen. Es erwarte Nüchternheit und Sachlichkeit, eine gewisse Vorsorge und empfehle eine praktische Herangehensweise an die Aufgaben. Dieses Jahr sei wie kein anderes geeignet, Projekte endlich zu konkretisieren. Dies zeige sich auch darin, dass die Sonne wieder im neunten Haus steht.

Das hat Konsequenzen

Nur - es war zu befürchten, dass sich da eine Schattenseite auftut: 'Die Sonne ist im neunten Haus von den Planeten eingeschlossen.' Eingeschlossen zu sein, ist nicht gut. In diesem Fall ist es zu interpretieren als: 'Die Chance ist da, wird aber nicht genutzt.' Vieles passiere im Innern, in der Verwaltung, dringe jedoch nicht nach draußen.

Die 'Lernaufgabe' laute: Die Stadt muss die Bürger erreichen, weil die Bevölkerung bis Ende Juli offener ist für städtische Botschaften. Eine positive Grundstimmung herrsche vor. Es biete sich jetzt wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt die Möglichkeit für die Weiterentwicklung der Stadt. Na dann.

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