Hopfen am See
Der Kurbeitrag steigt - aber nicht überall gleich schnell

So ausgiebig diskutiert wurde schon lange nicht mehr im Füssener Stadtrat - schon gar nicht vor so großer Zuhörerkulisse: Rund 50 Bürger verfolgten am Dienstagabend im Haus Hopfensee die Debatte um die Reform des Kurbeitrags. Am Ende erlebten sie ein klares Votum: Mit Ausnahme von Gabriel Guggemos (Füssen-Land) stimmten alle Räte dafür, die Taxe einheitlich auf das bislang höchste Niveau von 1,60 Euro pro Gast und Nacht zu hieven.

Für die bisherige Kurzone II (dazu gehören etwa Weißensee und Eschach), wo sich die Reform besonders krass auswirkt (siehe Infokasten) wurde allerdings eine Sonderregel vereinbart: Dort soll der Beitrag von Januar bis April 2010 nur 1,10 Euro betragen - erst ab Mai gilt hier der volle Satz.

«Wir heben eigentlich nur die Bevorzugung einiger Bereiche auf - de facto ist das aber natürlich eine Erhöhung», räumte Tourismuchef Stefan Fredlmeier zu Beginn ein. Doch wie bereits im Verwaltungsrat von Füssen Tourismus & Marketing (FTM) sowie im Finanzausschuss warb er nachdrücklich für die Kurtaxen-Reform. Die sei schon allein nötig, um das Defizit auszugleichen, das der Stadt durch das seit 1995 eingefrorene Niveau alljährlich entstehe. «Außerdem bieten wir künftig noch hochwertigere Leistungen an», verwies er etwa auf das kostenlose Parken in bestimmten Bereichen.

«Und davon profitieren Gäste aus allen Ortsteilen», wie Fredlmeier betonte.

Das freilich ließ Gabriel Guggemos nicht gelten: Er hielt die Erhöhung für Weißensee und Umgebung für unzumutbar. «Gerade dort, wo viele Familien Urlaub machen, wird abgezockt», schnaubte er. Die geplante Erhöhung betrage bis zu 250 Prozent - das könne manchen Gast dazu bewegen, in Nachbargemeinden mit geringerer Taxe abzuwandern. Sinnvoller sei da eine Anhebung um 20 Cent in allen Bereichen.

Damit wiederum stieß er bei vielen Ratskollegen auf Granit. «Die Leistungen sollen ja als Mehrwert zurückgegeben werden», sprach sich etwa Jürgen Doser (Freie Wähler) für die Reform aus. Hannelore Semmlin-Leix (SPD) verweis auf das Solidaritätsprinzip und erinnerte zudem daran, dass das jetzt geschnürte Paket zuvor «ausgiebig überlegt» wurde.

«Wir diskutieren jetzt über 3,50 Euro mehr in der Woche - glauben Sie, dass ein Gast deswegen wegbleibt?», wandte sich Klaus Keller (CSU) an Guggemos. «Irgendwann müssen wir in diesen sauren Apfel beißen, wir können nicht jedesmal zurück diskutieren», fand auch Dr. Hans Martin Beyer (CSU). Zumal die Erhöhung nicht einmal zum Inflationsausgleich reiche, wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) anmerkte: «Dann müssten wir auf zwei Euro gehen!»

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