Memmingen
Der Hundeversteher

Nein, Drill und Kadavergehorsam sind ihm zuwider, vielmehr versucht er, sich in die Psyche des je einzelnen Hundes einzufühlen. Und er hat Erfolg damit. So großen Erfolg, dass weit über 150000 Hundefreunde Martin Rütter schon einmal live erlebt haben.

Seine Tipps zur Hundeerziehung - nicht trocken, sondern als unterhaltsames Infotainment präsentiert - sind gefragter denn je. Jetzt ist der 39-Jährige wieder auf Deutschland-Tour, die ihn am 9. Februar auch in die Memminger Stadthalle führt. Unser Redaktionsmitglied Markus Brändle hat sich vorab mit dem fernsehbekannten «Hundeversteher» unterhalten:

Herr Rütter, was haben Sie heute Morgen mit Ihrem Hund gemacht?

Martin Rütter: Mit meiner alten Dame habe ich einen sehr kurzen Spaziergang gemacht. «Mina» ist 15 Jahre alt, für einen Golden Retriever also ein Methusalem.

Wie viele Hunde hatten oder haben Sie?

Rütter: Mina ist mein erster Hund. Obwohl ich davor schon 600 Hunde im Training hatte

Wie das? Sie haben Leuten Tipps zur Hundeerziehung gegeben, ohne je selber einen Hund besessen zu haben?

Rütter: Ja, ich hab diesbezüglich einen etwas verqueren Weg. Ich bin nicht mit Hunden auf- gewachsen. Wir durften zu Hause nie ein Haustier haben. Ich habe mit Nachbarhunden rumgetuttelt und als Jugendlicher unwahrscheinlich viel über Hunde gelesen.

Wie ging es dann weiter?

Rütter: Nach dem Abitur bin ich für ein Jahr nach Australien gegangen. Hier habe ich Dingos, also die dortigen Wildhunde, kennnengelernt. Ich habe deren Verhalten studiert und dabei auch festgestellt, dass sich im Rudel nicht immer die körperlich stärksten durchsetzen. Nach Australien war mir klar: Ich will in Köln eine Hundeschule aufmachen.

Gab es für Sie dabei eine besondere Zielsetzung?

Rütter: Ja, mir war diese Gewaltanwendung zuwider, wie sie früher in der Hundeerziehung praktiziert wurde. Hunde «abzurichten» wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich bin mit den Leuten auch nicht auf den Hundeplatz gegangen, sondern habe Hausbesuche gemacht, die Leute bei den Spaziergängen begleitet. Das kam so gut an, dass ich von der Nachfrage überrollt wurde.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Rütter: Ich habe ein halbes Jahr Auszeit genommen, um mir selber einen Hund anzuschaffen.

Und welche Fehler haben Sie selbst bei der Erziehung Ihres Hundes gemacht?

Rütter: Ich habe dem Hund zu viel Freiheit gelassen, bin auch zu sehr auf sein Betteln eingegangen. Er konnte zwar mit einem Jahr 70, 80 Kommandos, war aber arm dran, weil er alle Entscheidungen selber treffen musste.

«Die meisten Hunde sind unterbeschäftigt»

Welches sind die Hauptfehler, die man im Umgang mit Hunden machen kann?

Rütter: Die meisten Hunde, die ich kennengelernt habe, sind unterbeschäftigt. Ich muss den Hund so erziehen, dass er klare Regeln kennen lernt. Damit meine ich nicht Drill oder Kadavergehorsam. Regeln schaffen Verlässlichkeit und Sicherheit. Das ist wie bei den Kindern. Ich habe selber vier Kinder.

Was sind weitere Fehler?

Rütter: Die starke Vermenschlichung der Tiere. Wenn ich die Erwartung habe, dass sich ein Hund wie ein Mensch benimmt. Mancher redet ja mit seinem Hund in ganzen Sätzen Wenn ich meine Veranstaltungen mache, halte ich den Leuten den Spiegel vor, so dass sie sich zwei Stunden kaputt lachen.

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