Der Glaube war selbstverständlicher

Von Markus Bär, Buchloe - Jahrhunderte alt ist die Geschichte evangelischer Christen in Buchloe und Umgebung. Die kirchliche Reformation war von Memmingen her ins 'platte Land' hinausgegangen und hatte auch hier überzeugte Anhänger gefunden. Aber eine eigenständige evangelische Kirchengemeinde existiert in Buchloe erst seit 50 Jahren. Dieses Ereignis wird am kommenden Wochenende gefeiert. Gehörten die Evangelischen in Buchloe (im Jahr 1889 gab es deren 60) bis 1908 zur Pfarrei Kaufbeuren, so erfolgte 1908 eine so genannte 'Umpfarrung' in die Stadtpfarrei in Memmingen. Als dann 1911 die evangelische Pfarrei Mindelheim errichtet wurde, kamen die Buchloer dorthin. Eine eigene Kirche hatten die hiesigen Anhänger des lutherischen Bekenntnisses damals freilich noch nicht. Erst nach langem Planen und Sparen konnte der evangelische Kirchenverein Buchloe im August 1935 des Gotteshauses in der Hindenburgstraße feiern. 1949 wurde Buchloe aus der Pfarrkirchengemeinde Mindelheim herausgelöst und an Bad Wörishofen angegliedert. 1952 war ein Exponiertes Vikariat Buchloe errichtet worden. Durch den Flüchtlingsstrom war die Zahl der Evangelischen in Buchloe von 200 auf 1200 angewachsen. Im April 1954, dem Jahr auch der Stadterhebung von Buchloe, beschloss die Landessynode die Umwandlung des Exponierten Vikariates Buchloe in die evangelisch-lutherische Pfarrgemeinde Buchloe. Else Thomas erinnert sich noch an ihre Konfirmation am 11. April 1954, dem Palmsonntag: 'Es war ein sehr kalter, aber trockener Tag. Zu dieser Zeit kam im Radio nachkriegsbedingt nach den Nachrichten der Anhang: Das Rote Kreuz sucht die Angehörigen von. 'So war auch die Situation in vielen Familien. Oft waren die Mütter mit ihren Kindern allein. Der Vater war vermisst, in Gefangenschaft oder gar gefallen. Wir waren 15 Konfirmanden und 19 Konfirmantinnen. Alle trugen schwarze Anzüge und festliche schwarze Kleider mit einem Myrtenkranz im Haar. Auch die ersten Nylonstrümpfe durften nicht fehlen. Der Sonntag vor Palmsonntag war Prüfungsgottesdienst. Die Nervosität war groß, denn wir wussten nicht, was gefragt wird.

Der Pfarrer, Helmut Fabricius, hatte damals uneingeschränkte Autorität. Der Festgottesdienst zur Konfirmation fand eine Woche später um 9.30 Uhr statt. Die Familienfeier fand immer zu Hause statt. Traditionelle Geschenke waren für die Buben die erste Uhr, für Mädchen das erste Kettchen mit Kreuz. Sonst gab es meist Schokolade oder eine Sammeltasse, Geldgeschenke aber so gut wie keine. Besonders arme Familien ehrte der Pfarrer mit einem persönlichen Besuch und einem kleinen Geschenk. Nachmittags besuchten wir Freundinnen uns gegenseitig. Wir fühlten uns nun schon sehr erwachsen', so Else Thomas, die ihre Erinnerungen schriftlich aufgesetzt hat. 'Früher war der Glaube selbstverständlicher als heute', meint ihr Bruder Johann Bäßler, der jahrelang im Kirchenvorstand tätig war und das Chronologische der Pfarrgemeinde sammelt. Als wichtige Ereignisse seit 1954 hat Bäßler unter anderem folgende Ereignisse notiert: 1955 kam Pfarrer Erhard Witzgall als Nachfolger von Helmut Fabricius. Witzgall wirkte 21 lange Jahre in Buchloe. 1957 war die 1951 (im heutigen Rathaus) eingerichtete evangelische Bekenntnisschule wieder aufgelöst worden. Begründung. Zu wenig Schüler. 1967 wurden zwei weitere Glocken angeschafft (1942 hatte die Kirchengemeinde die beiden großen Glocken im Krieg abgeben müssen und von da an mit einer Glocke auskommen müssen). 1968 wird eine elektrische Bankheizung eingebaut. 1977 fanden Renovierungen und der Bau der Außenanlage auf der Ostseite statt. Um sich mehr nach außen hin zu öffnen, wurde als 'sichtbares Zeichen' die Mauer abgerissen. 1985 kaufte die Gemeinde eine neue Orgel. 1993 wurde die Kirche innen umfangreich umgebaut. Seit 1996 ist Ute Neubauer die Pfarrerin für die Kirchengemeinde. 'Anders als in Franken haben wir in dieser Region wenig angestammte evangelische Familien. Wir leben vor allem vom Zuzug aus München.' Darunter gebe es viele gemischtkonfessionelle Ehen. 'Während zum Beipiel Mutter-Kind-Gruppen gut angenommen werden, tritt der klassische Hauptgottesdienst in den Hintergrund.' Ausblickend sagt die Pfarrerin, dass sie vermehrt versuchen will, 'die Eltern über die Kinder wieder zu erreichen'. i Am kommenden Sonntag findet um 10 Uhr ein Festgottesdienst zum 50-jährigen Kirchenjubiläum mit Kirchenchor und Bläsern statt.

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