Der Gemeinde ein Gesicht verliehen

Von Elke Wiartalla | Fischen 'Sie verlassen uns?' Verwundert, enttäuscht oder traurig haben die Fischinger den Heideckers ungezählte Male diese Frage gestellt, nachdem die Nachricht die Runde im Dorf gemacht hatte, dass die Pfarrersfamilie weggeht. Zehn Jahre haben sie der evangelischen Gemeinde ein Gesicht verliehen. In dieser Zeit fühlten sie sich rundum wohl, knüpften feste Kontakte weit über die Kirchengemeinde hinaus. Dennoch zieht die sechsköpfige Familie nun weiter nach Donauwörth. Dort ist Pfarrer Hans Heidecker von der Kirchenleitung beauftragt, das Amt des ersten Pfarrers und das Amt des Dekans im Dekanatsbezirk zu übernehmen.

Auch wenn er es als Ehre betrachtet, dass man ihm die Aufgabe zutraut, fällt der Abschied von Fischen schwer, dazu haben alle Heideckers den Ort, die Einwohner und die Umgebung zu lieb gewonnen - der Jüngste ist sogar im Allgäu geboren.

Das Ehepaar erinnert sich noch wie gestern daran, als sie vor zehn Jahren in Fischen ankamen: der warmherzige Empfang am Bahnhof, eine Essenseinladung, ein Begrüßungskuchen und die erstaunten Blicke der Fischinger auf eine 'echte Pfarrersfamilie'. 'So was hatte es hier zuvor nicht gegeben', erzählt Pfarrer Heidecker schmunzelnd.

Seine Frau brachte sich als gelernte Erzieherin in der Vorbereitung von Minigottesdiensten und Kinderbibeltagen in die Arbeit ihres Mannes ein. Er selbst machte sich mit Feuereifer an seine Aufgabe als Seelsorger. Dabei erwies er sich als Menschenfischer - entdeckte wertvolle Gemeindeglieder 'auf Tauchstation', fand eine neue Mesnerin und gewann für die Wahl des Kirchenvorstands viele junge Kandidaten. Berggottesdienste waren eine lokale Sonderaufgabe für den sportlichen Pfarrer, der meist auf dem Fahrrad unterwegs ist und in seiner Freizeit die Gipfel der Berge erklimmt.

Der Sport - alle Heideckers sind der Langlaufabteilung im Skiclub sehr verbunden - und die Musik haben im Leben der gesamten Familie zentralen Stellenwert. Dass sie auch in Fischen Musik machen wollten, war immer klar, dass sie jedoch in die jetzigen Formationen gerieten, brachte das zufällige Zusammensingen beim Abschied von Monsignore Haas. Für einen Beitrag suchte Chorleiter Kroll für Tenor Josef Althaus den begleitenden Bass, den Hans Heidecker beisteuern konnte und beim Üben in der heimischen Stube stieß Angelika Althaus als Sopran hinzu: 'Tja und den Alt hatte ich zu Hause', gibt Pfarrer Heidecker über die Geburt des Gesangsquartetts Althaus/Heidecker zum Besten. Die Kinder musizieren in der Kindersinggruppe Fischen und gewannen bereits den Volksmusikwettbewerb in Innsbruck.

Für die Gemeinde wird der Abschied ebenso schmerzlich wie für die Familie selbst. Erleichtern soll ihnen den Weggang ein Fest zum Ausklang für alle Einwohner, Mitarbeiter und Freunde der ganzen Familie, das am Sonntag, 9. März, in der 'Fiskina' gefeiert wird. Zuvor findet um 16 Uhr der feierliche Abschiedsgottesdienst statt.

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