Der ganze Standort wird geschwächt

Lindenberg | pem | Die Mitarbeitervertreter bei Liebherr-Aerospace wollen die mögliche Verlagerung des Klimabereiches nach Toulouse nicht einfach hinnehmen. 'Der ganze Standort würde durch diese Entscheidung geschwächt', begründet der Betriebsratsvorsitzende Herbert Wellenberger den Widerstand.

Der Klimabereich von Liebherr-Aerospace ist vor 24 Jahren in Lindenberg gegründet worden. Er ist im Westallgäu und beim französischen Schwesterunternehmen in Toulouse angesiedelt. Derzeit lässt der Konzern untersuchen, ob es sinnvoll ist, den Bereich an einem Standort zu konzentrieren. Das wäre Toulouse (wir berichteten).

Direkt betroffen von der möglichen Verlagerung nach Frankreich wären in Lindenberg 110 Mitarbeiter. 40 weitere sind laut Betriebsrat indirekt berührt, weil sie dem Klimabereich zuarbeiten, sei es im Einkauf oder als Computer-Fachleute. '30 Jahre lang musste bei uns niemand um seinen Arbeitsplatz bangen. Jetzt geht die Angst um', beschreibt Betriebsrat Herbert Barth die Stimmung bei den Beschäftigten in der Klimatechnik.

Hochprofitabler Bereich

Das Unternehmen hat zwar öffentlich zugesichert, die Mitarbeiter in Lindenberg weiterzubeschäftigen oder ihnen Arbeitsplätze in anderen Liebherr-Werken in der Region anzubieten. Doch das sei für viele 'keine Perspektive'. Barth: 'Die Menschen sind teils seit Jahrzehnten in Lindenberg beschäftigt und können nicht einfach woanders hin.'

Die Befürchtungen der Arbeitnehmervertreter gehen langfristig betrachtet zudem weit über die jetzt diskutierten 110 oder 150 Stellen hinaus. Sie begründen das mit der wirtschaftlichen Bedeutung, die der Klimabereich für den ganzen Standort hat. So ist der Bereich laut Arbeitnehmervertretern für 25 Prozent des Umsatzes der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH zuständig und er schreibt anders als die Luftsteuerung und der Fahrwerksbereich schwarze Zahlen. 'Ist der Klimabereich weg, steigt der Druck auf die beiden verbliebenen Bereiche erheblich', sagt Herbert Wellenberger auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens.

Denn derzeit schreibt Liebherr-Aerospace wegen des schwachen Dollars rote Zahlen. Das soll aber in drei Jahren anders sein. 'Das Ziel wird natürlich sehr viel schwieriger zu erreichen sein, wenn uns ein hoch profitabler Bereich genommen wird. Und was ist mit dem Standort Lindenberg, wenn es überhaupt nicht gelingt?', fragt Barth. Die Betriebsräte befürchten dann schmerzhafte Einschnitte.

'Ein eingespieltes Team'

Grundsätzlich bezweifeln die Arbeitnehmervertreter auch, dass eine Verlegung nach Toulouse sinnvoll ist. Grund ist das Wissen, über das die Lindenberger Beschäftigten verfügen. 'Es ist ein eingespieltes Team von Ingenieuren, Designern, Thermodynamikern, Technikern. Dieses Know-How lässt sich nicht einfach an einen anderen Standort übertragen. Es wird zerschlagen', sagt Wellenberger. Es werde Jahre dauern bis eine ähnlich Kompetenz in Frankreich aufgebaut werden könne.

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