Waltenhofen
Der Friedhof war ihr Leben

Fast 50 Jahre war sie «Leichenfrau» in Waltenhofen, jetzt gibt Maria Klaunzler ihre Tätigkeit an Marlene Helbig ab. «Keinen Tag war ich krank, aber mit über 87 Jahren wird es Zeit eine Nachfolgerin anzulernen», meint die rüstige Seniorin. Anfangs will sie Marlene Helbig noch zur Hand gehen, denn «man muss ja vieles wissen und sollte keine Fehler machen bei der Organisation einer Bestattungszeremonie».

1960, als sie zu ihrer ersten «Leich» gerufen wurde, war ihr «eher neugierig» als mulmig zumute. Denn von Anfang an sei ihr klar gewesen, «dass mich der Herrgott auf den Platz hierher gestellt hat». Überhaupt hätte sie ohne ihren starken christlichen Glauben die seelische und nervliche Belastung gar nicht durchgestanden.

In Hegge geboren

Tief verwurzelt mit Waltenhofen ist Maia - wie sie liebevoll genannt wird - seit ihrer Geburt in Hegge. Ihre erste Arbeitsstelle fand sie in der Spinnerei und Weberei in Kottern. Danach wurde sie während des Krieges nach München zur Arbeit zwangsverpflichtet. «Das war keine schöne Zeit, wir wurden ausgebombt und ich hatte praktisch nichts mehr, nur das, was ich am Leib trug».

Nach einem Umweg über Westfalen kam sie wieder zurück in die Heimat. «Aus Not» habe sie die Arbeitsstelle am Friedhof in Waltenhofen angetreten. «Anfangs habe ich die Toten gefürchtet wie die Feuerwehr», erinnert sich «Maia» Klaunzler. Heute fühle sie sich dort bei den Gräbern fast geborgen. Vor zwei Jahren, als ihr Mann starb, habe sie sich sogar nachts oft zu ihm ans Grab gesetzt. Ohne Furcht.

Früher sei es ihre Aufgabe gewesen, die Toten zu waschen und frisch anzuziehen. «Das machen seit Jahren nun schon die Bestattungsinstitute», sagt «Maia», die sich noch gut an einige Sektionen im Leichenhaus erinnern kann. «Das hat mich immer sehr interessiert.»

Sie selbst möchte ein Urnengrab

Heute sieht sie auf dem Friedhof nach dem Rechten, unterstützt die Besucher, wos geht, lobt: «Im Großen und Ganzen sind die Gräber sehr schön gepflegt.» Selbst möchte die zweifache Mutter und sechsfache Großmutter ein Urnengrab. «Das ist meiner Meinung nach die sauberste Sache.»

Aber nun bleibt sie erst einmal die Frau vom Friedhof, denn sie darf bis an ihr Lebensende in der Dienstwohnung bei der Aussegnungshalle bleiben. Das habe ihr der jetzige Altbürgermeister Robert Wegscheider schon vor vielen Jahren versprochen. «Maia» Klaunzler ist froh darum. Denn am Friedhof bei der Pfarrkirche ist ihr Zuhause. «Das soll auch so bleiben, bis man mich selber dort hinausträgt.»

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