Der Flügel ist wichtig für ihr Lebensgefühl

Die neue evangelische Pfarrerin Ingrid Ossig wird morgen mit Gottesdienst eingeführt Von Iris Voracek Weiler im Allgäu/Scheideg. Für den Flügel musste das Treppengeländer extra abgebaut werden. Jetzt steht er in der neuen Wohnung von Ingrid Ossig in Bremenried. Sie ist darüber erleichtert. Dass das Instrument in die Wohnung passt, war für die neue Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Weiler/Scheidegg 'entscheidend', wie sie sagt. 'Das Klavierspielen ist wichtig für mein Lebensgefühl, wichtiger als der Fernseher', sagt die 49-Jährige. Auch ihre achtjährige Boxerhündin hat es sich zwischen Flügel und Umzugskartons schon bequem gemacht. In ihrem Beruf als Pfarrerin sieht Ossig ihre Lebensaufgabe. Dabei hat die Geistliche auch Erfahrung in anderen Bereichen vorzuweisen. Drei Jahre lang saß sie beispielsweise für die FDP im Stadtrat von Bad Neustadt an der Saale. Schon während des Studiums interessierte sich die gebürtige Windsheimerin (Mittelfranken) für die Klinikseelsorge und bildete sich in diesem Bereich fort. Als Pfarrerin in Ausbildung war Ossig je zur Hälfte in der Gemeinde Bad Neustadt sowie in der Kur- und Klinikseelsorge tätig. Kein Zufall, dass sie gerade den Kurort Scheidegg als neuen Wirkungsort gewählt hat. 'Die Kombination von Gemeinde-, Klinik- und Urlauberseelsorge finde ich reizvoll', sagt die 49-Jährige. Urlauber sieht sie als 'Chance'. Ossig: 'Im Urlaub sind die Menschen meist offener für Anderes, Neues. Vielleicht schauen sie doch mal in eine Kirche, was sie zu Hause nicht machen.'Eine gewisse Offenheit ordnet Ossig auch den Einwohnern eines Kur- oder Urlauberorts wie Scheidegg und Weiler zu. 'Wenn immer wieder Fremde kommen, müssen die Menschen Toleranz haben', sagt sie.

Auch dieser Aspekt habe sie dazu bewegt, sich auf die Pfarrstelle Scheidegg/Weiler zu bewerben. Im 'Amtsblatt' für Pfarrer war sie im vergangenen Jahr ausgeschrieben. Als eine Herausforderung sieht es die 49-Jährige, in einer überwiegend katholischen Region zu arbeiten. 'Mittelfranken ist ein evangelisches Eck', so Ossig, 'es wird hier eine neue Erfahrung sein. Aber ich denke, dass in der Minderzahl das Zusammengehörigkeitsgefühl groß ist.'Die Arbeit im Westallgäu bedeutet für die Pfarrerin auch ein Stück weit einen Neuanfang. Nachdem ihr Mann im April vergangenen Jahres überraschend verstorben war, hatte sich Ossig für den Rest des Jahres beurlauben lassen. Bei ihrer Heirat 1985 hatte der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer einen damals 15-jährigen Sohn mit in die Ehe gebracht. Inzwischen ist er selbst Vater eines Kindes. Ja, an Erfahrung habe sie durch die Lebensumstände gewonnen, auch im Hinblick auf ihre Arbeit, sagt Ossig nachdenklich. 'Man kann nicht alles im Leben erfahren, was man dann weitergibt. Aber man kann sich in manche Dinge anders hineinfühlen', weiß sie. Und hineinfühlen will sie sich in die Menschen hier. Denn der Glaube solle zum Leben helfen - zum Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Am Sonntag, 29. Februar, findet ab 14.30 Uhr ein Gottesdienst zur Amtseinführung von Pfarrerin Ingrid Ossig in der evangelischen Auferstehungskirche Scheidegg statt. Im Anschluss daran lädt das evangelische Pfarramt zu einem Empfang im katholischen Pfarrheim ein. Zum Einführungsgottesdienst fährt ein Kleinbus von Weiler nach Scheidegg. Abfahrt ist um 13.45 Uhr an der Kreuzkirche in Weiler.

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