Der Familientreff für Jung und Alt

'Kleine Kunst auf kleinen Plätzen' fester Termin im Jahreskalender der Musikfreunde Weiler im Allgäu (rau). 'Ich kann gar nicht abschätzen, wieviele Leute hier sind', bekannte Gästeamtsleiterin Ira Wild kurz vor Dunkelwerden bei 'Kleine Kunst auf kleinen Plätzen'. Es herrschte auf manchen Plätzen schon ein rechtes Gedränge, das sich bis Mitternacht noch deutlich steigerte. Dieses vom Wetter begünstigte Musikfest scheint zu einer Art Familientreffen geworden zu sein - Verdienst der Veranstalter, die für Musik für jede Altersklasse sorgen.

Die Nachwuchsbands 'Granny?s Wallpape', 'Infinite' und 'Sixpack' am Widmannsplatz hatten ihren eigenen Fanclubs dabei. Ihr Hiphop lockte heuer mehr Jugendliche nach Weiler als im vorigen Jahr. Johannes Rösler, Musiklehrer und Fachmann für Popmusik an der Westallgäuer und der Lindenberger Musikschule betreut die Bands. Bei 'Sixpack' war sein Improvisationstalent gefordert, da deren Sängerin wegen Angina kurzfristig ersetzt werden musste. Augen verzückt geschlossen'Cafè con Leche' - Milchkaffee - hießen die Musiker beim Gästeamt und so sahen sie auch aus, die Burschen aus Kuba und Peru. Ein Hauch von Karibik wehte über den Platz, Hüften kreisten und Mädels schlossen verzückt die Augen, auch wenn die Temperaturen alles andere als karibisch waren und die Mitglieder der Münchner Band sich regelrecht warm spielen mussten. Auf manche Bands freute man sich schon wie auf alte Bekannte. Ohne Rockmusik von 'Straight' wäre der Kirchplatz nur halb so attraktiv gewesen. Die klangvolle Stimme der holländischen Sängerin Kim Bons war auch für so viel 'open air' stark genug. Alain Nkossi Konda wird auch nicht erst auf der Bühne erkannt. Im Getümmel auf den Straßen sorgte der bei Immenstadt lebende Musiker vor seinem Auftritt für so manches 'Hallo'. Mit seinem amerikanischen Afro Pop, in dem sich Einflüsse aus verschiedenen Kulturen mischen, war er ein Zugpferd am Park hinterm Rathaus. Ihm voraus ließen die wohlbehüteten Musiker der 'Cambodunum Big Band' Erinnerungen an große Swing-Zeiten wachwerden. Wer lustlos aufs Fest gekommen war, kriegte spätestens hier gute Laune.'Geh zu den 'Rock Sox', da sind die Alten', musste sich ein anfangs Vierziger anhören. Bei der Band aus Ravensburg, die hinterm Heimatmuseum mit gutem, echtem Rock die Leute zum Tanzen brachte, wurde deutlich, wer seine Sturm-und-Drang-Zeit in den Siebzigern hatte. Diejenigen konnten bei 'Brick in the Wall' von Genesis den Refrain mitsingen. Romantik unter der Mondsichel. Von Anfang an ausgelassene Stimmung herrschte auch bei 'Dirty Five', der aus der Lindenberger Gymnasiums-Jazzband entstandenen Combo. Unverfälschter Jazz und Blues spielten sich am Haus Elisabeth fröhlich in Ohr und Beine. Und mit der gelben Mondsichel am Himmel wurde es in dem kleinen Garten fast romantisch. Niemals fehlen dürfen auf Straßenfesten irische Lieder und Country-Musik. 'Taranis' machte aus dem Platz vor der Druckerei Holzer eine irische Landkneipe und den Whiskey, der in den übermütigen oder melancholischen Liedern immer eine Rolle spielt, den dachte man sich halt ins Glas. 'String 22' aus Simmerberg, die am Hotel Post ihre Country- und Westernmusik zupften und sangen, boten den Zuhörern, die es ein bißchen ruhiger haben wollten, eine Nische. So war die 'Kleine Kunst auf kleinen Plätzen' durch die Vielfalt im musikalischen und kulinarischen Angebot wieder einmal ein Fest für alle Generationen. 'Grad weil es draußen ist, trauen sich auch Leute her, die nie in eine Musikkneipe gingen', sind sich die Veranstalter sicher. Erwin Feurle und Gerd Zimmer waren hoch zufrieden mit dem Verlauf und der Besucherzahl. In Weiler hat man wohl einen besonders guten Draht zu Petrus. Das kräftige Gewitter am Nachmittag putzte den Himmel und der Abend war kühl blieb aber trocken. Feurle führt das auf die schon im Vorjahr gemachte Wallfahrt nach Maria Thann zurück. Da muss was dran sein. In solch einem verregneten Jahr ein trockenes Straßenfest zu bekommen grenzt schließlich an ein Wunder.

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