Kaufbeuren
Der Computer ersetzt die Lohnsteuerkarte

Vorbei ist es bald mit den bunten Kärtchen, die sich Lohnsteuerkarten nennen. Mal waren sie rot, dann wieder grün und orange. Nun hat es die letzte Lohnsteuerkarte, mit der Jahreszahl 2010, gegeben, sie ist wieder einmal gelb. Im digitalen Zeitalter sind die bunten Kärtchen künftig überflüssig. Computerprogramme haben viele Vorgänge in den Personalabteilungen inzwischen weitgehend automatisiert. Die lebenslang gültige Steuernummer, die jedem Bürger seit 2008 zugeordnet wird, hat dem Formular endgültig den Todesstoß versetzt. Von Traurigkeit im Kaufbeurer Finanzamt kann allerdings keine Rede sein. «Die Lohnsteuerkarte hat allen bloß Arbeit gemacht», so Geschäftsleiter Wolfgang Demel. Entlastet würden auch die Unternehmen und Kommunen um viele 100 Millionen Euro.

Längst hat sich die Kaufbeurer Finanzverwaltung zu einem modernen Betrieb gemausert, in dem Lohnsteuerkarten ohnehin keinen Platz mehr haben. Den Sprung in das neue Zeitalter machte die Behörde mit dem Bezug ihres erweiterten Dienstsitzes in der Remboldstraße. Dort war bis zur Gemeindegebietsreform das Landratsamt ansässig, danach diente das selbe Gebäude als Finanzverwaltung. Mehr Zuständigkeiten, mehr Personal und unzumutbare Zustände durch die immer noch über das Stadtgebiet verteilten Standorte führten schließlich zu dem Erweiterungsbau, der im Jahr 2004 bezogen werden konnte. Saniert wurde danach auch der Altbau. Beide Häuser sind mit einem Zwischenbau verbunden worden, der heute das Service-Center beherbergt. «Früher hießen die Besucher Steuerpflichtige, heute sind es Kunden», so Demel.

Der Neubau stehe für ein offenes Haus und nicht für eine abgeschottete Behörde. Auch wenn die elektronische Abgabe der Steuererklärungen mit Hilfe des Computer-Programms Elster für viele Bürger selbstverständlich ist, gebe es viele Besucher.

Dass die Kaufbeurer Finanzverwaltung sehr serviceorientiert ist, zeigen laut Demel die Umfragen: Regelmäßig wird die Behörde von Steuerberatern und Bürgern als besonders kundenfreundlich eingestuft. «Wir reden mit den Kunden auf einer Ebene und wollen die Steuergesetzgebung verständlich machen», so Demel. Vielleicht spiele aber auch die Mentalität der Bürger eine Rolle: Die Steuermoral sei in der Region überdurchschnittlich gut.

Als einladendes Haus präsentiert sich das Finanzamt auch gegenüber den anderen Besuchern. Denn die Behörde ist mit ihrem Raumangebot nicht nur Gastgeber mancher Tagung, sondern auch Teil des FH-Standortes Kaufbeuren. Die Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege - Fachbereich Finanzwesen - in Herrsching absolvieren ihre EDV-Ausbildung in den Räumen des Finanzamtes. «Der Schulungsraum dient gleichzeitig der Fortbildung unserer Mitarbeiter», so Demel. 30 Steueranwärter (mittlerer Dienst) und Finanzanwärter (gehobener Dienst) haben in Kaufbeuren zudem ihr Heimatfinanzamt. Ihnen werde eine wohnortnahe Ausbildung geboten. Wenn sie ihr Studium beendet haben, gehören die Lohnsteuerkarten endgültig der Vergangenheit an.

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