Der Cholera-Kaplan von Boos

Boos (sdo). - Mit Vorträgen, Konzerten, einer Buchausstellung und einer Projektwoche feiert die Gemeinde Boos in diesem Jahr '150 Jahre Sebastian Kneipp'. Der berühmte Pfarrer habe in Boos 'seine ersten Schritte als Wasserdoktor getan und während der Cholera-Zeit gewirkt', sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Neumann. 'Er ist ein Mann, der hier bis heute verehrt wird.' Am 20. Januar 1853, seinem Namenstag, war der 31-jährige Kneipp vor 150 Jahren als Kaplan nach Boos versetzt worden und hatte fast zwei Jahre lang nahezu die ganze seelsorgerische Arbeit in der Gemeinde verrichtet, weil der damalige Pfarrer Joseph Reiser schwer erkrankt war. Aus seiner Booser Amtszeit ist laut Herbert Schlatterer die älteste Kurvorschrift überliefert: Hier habe er erstmals Wickel eingesetzt und verschiedene Anwendungen seiner Wasserheilkunde kombiniert. Schlatterer hat Informationen über das Wirken Kneipps zusammengetragen. Durch den Einsatz seiner Wasserheilmethoden habe Kneipp sich die Feindschaft eines Fellheimer Arztes und eines Babenhausener Apothekers zugezogen und war von ihnen vor dem Landgericht angeklagt worden. Der Freispruch lautete jedoch: 'Kurieren Sie die, welche keine Hilfe bekommen oder kein Geld haben, um Hilfe zu suchen und seien Sie ein Helfer in der Not.'

Kein Bürger gestorben Während seiner Zeit als Kaplan in Boos grassierte die Cholera auch im Unterallgäu. Wie das Booser Sterbe-Register aus dem Jahr 1854 eindeutig belege, sei kein Bürger der Gemeinde an der Krankheit gestorben. Zwischen Juli und August 1854 sei der Kaplan etwa zu einer an Cholera erkrankten Magd gerufen worden. Kneipp habe ein großes Leinentuch in heißes Wasser mit Essig tauchen und der Magd auf den Leib legen lassen. Nach sechs Minuten seien die Krämpfe verschwunden gewesen, das Erbrechen hörte auf, ebenso das Abführen. Dieses einfache Mittel, drei- bis viermal wiederholt, heilte die Kranke. Deshalb habe Kneipp den Beinamen 'Cholera-Kaplan' erhalten. Am 15. Juli 1854 wurde Kneipp als Pfarrvikar zu Boos vereidigt und eingesetzt. Drei Tage später setzte das Bischöfliche Ordinariat Augsburg den Vikar von Holzkirchen in Boos als Vikar ein, dieser starb jedoch am 15. August 1854 im Alter von 28 Jahren. Kneipp blieb Kaplan, weil die Vorgesetzten seine Heiltätigkeit missbilligten. Seine letzte Beerdigung habe Kneipp am 23. November 1854 in Boos gehalten. Bereits am nächsten Tag sei er als dritter Stadtkaplan nach St. Georg in Augsburg versetzt worden. In seinem Testament habe er unter anderem die Stiftung einer Jahresmesse verfügt. i Mit einem breit gefächerten Programm (siehe eigener Bericht) will die Gemeinde Boos an Kneipp erinnern. Nähere Informationen dazu gibt es beim Kulturkreis unter Telefon (08335) 8166, bei der Gemeinde unter Telefon (08335) 9829-0 oder im Internet unter www. vg-boos. de/kneipp

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