Der BLSV ist keine Einmann-Show

Von Jürgen Lutz | Kempten Wenn es jemanden gibt, der sich im lokalen Sport wie in seiner eigenen Westentasche auskennt, dann ist es Benno Glas (59). Das bringt sein Beruf als langjähriger Leiter des Sportamts in Kempten mit sich; es ist auch das Ergebnis von Umtriebigkeit und Erfahrung. Kaum ein Wochenende vergeht, ohne dass Glas in irgendeiner Halle, auf irgendeinem Sportplatz zusieht. Ein Mann, prädestiniert für den Job als Vorsitzender des BLSV-Kreises Kempten/Oberallgäu, den er seit kurzem offiziell bekleidet (wir berichteten). Kommissarisch hatte er das Ehrenamt schon länger inne.

Was hat Sie bewogen, als Funktionär in der Führung tätig zu werden?

Glas: Es ist meine Anerkennung an Dietrich Winterbauer als Person und an seine Leistungen. Und ich übernehme eine intakte Führungsmannschaft, die auch mit mir weiterarbeiten will. Es ist ein Prozess. Früher konnte ich mir nicht vorstellen, Sport-Funktionär zu sein, mich mit Satzungen, Richtlinien und Geschäftsordnungen zu beschäftigen. Ich mag vor allem die Leute. Ich habe Hochachtung vor allen ehrenamtlichen Mitarbeitern. Hin und wieder trifft man auch Leute, denen Kameradschaft noch was bedeutet. Jeder sucht sich in der Gesellschaft seinen Platz. Manche sind in der Kunst oder in der Politik am besten aufgehoben - ich im Sport.

Sind Sie überhaupt ein würdiger Nachfolger für den ehemaligen Vorsitzenden Dietrich Winterbauer?

Benno Glas: (schmunzelt) Na ja. Zumindest war ich sein Geburtstagsgeschenk zu seinem 70. Er hat sich zu diesem Jubiläum einen Nachfolger als Vorsitzenden gewünscht und mich bekommen.

Neue Besen kehren gut, heißt es. Was unterschiedet Sie vom Vorgänger?

Glas: Ich halte - wie er - das Team hoch. Und ich kümmere mich - so wie er - darum, ein gutes Team zu haben. Ich führe für den Vorstand des BLSV das Hütten-Wochenende mit Partnern fort, das er eingeführt hat. Kameradschaft ist wichtig, nicht nur fachbezogene Gespräche.

Im November 2008 werden Sie 60. Haben Sie ihren Nachfolger schon im Auge, wenn Sie 70 werden?

Glas: Im Moment brennt in mir noch ein Feuer und ich denke nicht an meinen Nachfolger. Da wäre ich ja unglaubwürdig, da ich erst kurz im Amt bin. Aber was ist in zehn Jahren? Niemand hat Gesundheit gepachtet. Ich arbeite schon jetzt daran, dass mein Team Einblicke in meine Arbeit hat und ohne Horror mal meine Nachfolge antreten kann.

Dreht sich jetzt alles um den neuen Kreisvorsitzenden?

Glas: Der BLSV-Kreis ist keine Einmann-Show oder eine Firma, die ohne Chef nichts machen kann. Ich arbeite in einem großen Team von qualifizierten Mitarbeitern.

Was hat bei Ihnen Priorität?

Glas: Da sind einige Dinge, die auf der Liste ganz oben stehen. Der Aufbau einer Homepage - sie ist übrigens fast fertig gestellt -, die Ausbildung zum Clubassistenten, aber auch das Thema Sport als Vorrückungsfach in der Schule.

Was ist Ihnen am Clubassisterten so wichtig?

Glas: In den Vereinen ist es doch oft so: Hört der Vorsitzende auf, bricht der große Horror aus. Dann heißt es: Der war Tag und Nacht für den Verein unterwegs. Wie soll ich denn das schaffen. Und schon wird kein Nachfolger gefunden. Ein Vorsitzender muss sich rechtzeitig um die Nachfolge kümmern. Er muss die junge Generation ran ziehen, Ideen vermitteln, mit ihnen reden. Wir müssen dahin kommen, dass die Aufgaben im Verein aufgeteilt werden. Das geht gut mit Clubassistenten, die Bindeglieder zwischen Verein und Jugend. Es muss Spaß machen, im Verein mitzuarbeiten.

Und Sport als Vorrückungsfach?

Glas: Wir müssen die Kinder in jungen Jahren schon der Gesundheit wegen zum Sport bringen. Es gibt zu wenig Sportstunden an Schulen, weil es dort zu wenig ausgebildete Sportlehrer gibt. Wir fordern die Politik auf, tätig zu werden und wir kämpfen darum, dem Sport an den Schulen einen höheren Stellenwert zu verleihen. Sport ist die größte Bürger-Initiative im Land.

Sie sind ein Vereinsmensch. Was ist das Besondere an Vereinen?

Glas: Was wären wir denn ohne die Vereine? Gewalt in Großstädten ist an der Tagesordnung. Wären mehr Jugendliche in Vereinen organisiert, würde wohl weniger passieren. Natürlich ist ein Verein aber keine Schutzimpfung gegen alles.

Was tun Sie an einem freien Tag?

Glas: Ohne Sport geht nichts. Ich Ich will nicht herum theoretisieren, sondern bin in einer Halle oder auf einem Sportplatz; aus Solidarität zu Sportlern und Verantwortlichen. Und es ist ein hervorragender Ausgleich zur beruflichen Bürotätigkeit.

Was raten Sie Eltern?

Glas: Sie sollen ihre Kinder in einen Sportverein schicken und sie sollen anbieten, im Verein mitzuhelfen. Ein Verein funktioniert ja nur, weil andere Freizeit dafür aufwenden.

Müssen BLSV-Funktionäre alt sein, oder dürfen auch Junge ran?

Glas: Junge Leute treiben selbst Sport und können oder wollen für Funktionärsposten die Zeit nicht aufbringen. Die Alten sind eher bereit, dem Sport was zurückzugeben.

Homepage des BLSV-Sportkreises 1 Oberallgäu/Kempten

www.blsv-oa-ke.de

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