Der Argenbühl-Sepp und die Käsestraße

Brisante Fälle bei 'Eglofser Gericht der Freien' - Westallgäuer Heimatpreis an Bauer und Köberle Von Benjamin Schwärzler Eglof. 'Wir haben genug vom Abgrenzungsbürokratismus. Wir setzen uns für ein geeintes Allgäu ein', machte Vorsitzender Karl Stiefenhofer die Ziele des 'Gerichts der Eglofser Freien' deutlich. Zum vierten Mal knüpfte der Geschichts- und Heimatverein Eglofs an die alte Tradition an, am Aschermittwoch Recht zu sprechen. Die Bürgermeister Armin Bauer (Oberreute) und Josef Köberle (Argenbühl) erhielten für ihren Einsatz für die 'Westallgäuer Käsestraße' den erstmals vergebenen Westallgäuer Heimatpreis. Stiefenhofer standen während der inszenierten Verhandlung im Dorfstadel Eglofs Georg Wagner (Oberstaufen), Angela Feßler (Heimenkirch), Karl Milz und Luitgard Wieschalla (beide Eglofs) als Beisitzer zur Seite. Den ersten der nicht immer ganz ernst gemeinten Anklagepunkte trug Opfenbachs Bürgermeister Paul Straub vor: Zu viele Westallgäuer würden zum Einkaufen nach Wangen abwandern, wo ihnen 'hinterlistig durch Parkuhren und Geschwindigkeitskontrollen' das Geld aus der Tasche gezogen würde. Das Ordnungsamt Wangen müsse deshalb abgeschafft werden, verlangte Straub. Außerdem solle Bürgermeister Michael Lang einmal pro Jahr die Westallgäuer Männer in den Fidelisbäck, die Frauen ins Cafè Hölz und alle Kinder ins städtische Freibad einladen. Dem stimmte das Gericht trotz eines flammenden Plädoyers des Wangener Bürgermeisters ('wir haben das Geld bitter nötig') zu: Lang wurde dazu verdonnert den '1. Westallgäuer Tag in Wangen' zu veranstalten, zu dem die ganze Bevölkerung des Westallgäus einzuladen sei.'Englischer als Engländer'Dem Kurort Oberstaufen wurde vorgeworfen, auf einem seiner Ortsschilder 'Bye, bye' stehen zu haben, anstatt einer Allgäuer Grußformel.

'Man könnte meinen, wir müssen englischer sein als die Engländer', kritisierte Wagner. Stiefenhofer wies auf die geringen Einflussmöglichkeiten der Eglofser hin: 'Wir können kein Überfallkommando starten und das Schild absägen', bedauerte er. Die stellvertretende Lindauer Landrätin Doris Scheurl berichtete von massiven Problemen bei der Einsatzplanung von Rettungsfahrzeugen 'links und rechts der Argen'. Um dies zu vereinfachen forderte sie, Wangen in den Landkreis Lindau einzugemeinden. Bürgermeister Lang schlug daraufhin den umgekehrten Weg vor, hatte seine Rechnung jedoch ohne Stiefenhofer gemacht: Lindau müsse zuerst einmal den bayerischen Löwen von Konstanz zurückkaufen. Vorher könne nicht über solche Geschäfte verhandelt werden, stellte der Richter fest. Große Sorgen bereitete dem Gericht die Tatsache, dass in 80 Prozent der Allgäuer Kindergärten die Kleinen nur noch 'Tschüss' und 'Hallo', anstatt 'Grüß Gott' sagen würden. Georg Wagner hatte hier eine Lösung parat: Jeder, der die neumodischen Ausdrücke verwende, solle einen Euro in die Gemeindekasse zahlen. 'Ihre Kassen werden ebenvoll werden, meine Herren', rief er den Bürgermeistern aus den Nachbargemeinden zu. Anschließend führten Sketche auf die Verleihung des Westallgäuer Heimatpreises hin: Einem fiktiven Telefongespräch zwischen Armin Bauer (gespielt von Karl-Heinz Marx) und seinem Amtskollegen, dem 'Argenbühl-Sepp' Josef Köberle, folgte der Auftritt von Dr. Hannes Langhammer (Karl Milz), seines Zeichens 'europäischer Rindviehinspektor', der von einem geheimen Treffen zwischen den Bürgermeistern Bauer und Köberle im Biergarten von Malleichen berichtete. Armin Bauer und Josef Köberle erhielten den Heimatpreis, da sie sich besonders stark für den Ausbau der Westallgäuer Käsestraße über die Landesgrenzen hinaus einsetzten. Eglofs (Gemeinde Argenbühl) ist als erster württembergischer Ort in der Käsestraße vertreten (siehe Allgäu-Rundschau).

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