Lindenberg
Depression hat die Menschen im Griff

Sie hat mehr und mehr Menschen im Griff: die Depression. Am Tag der offenen Tür im Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ) der Diakonie Kempten-Allgäu in Lindenberg befasste sich Dr. Holger Schmidt von der Tagesklinik Lindau mit diesem Thema. Rund 40 Zuhörer erlebten einen informativen, mit Humor gespickten Vortrag.

Die Symptome der Krankheit sind vielfältig, nicht alle treten bei jedem auf. Die ständig gedrückte Stimmung gehört dazu. Antriebsstörungen und Freudlosigkeit finden sich, aber auch Vernachlässigung der eigenen Person, von Partner und Beruf, erläutert Schmidt. Zu den vegetativen Störungen gehören Schlaf- und Appetitstörungen, Verstopfung und Gewichtsreduktion. Vitalstörungen zeigen sich in Kraftlosigkeit, Tiefs und der Unfähigkeit, schöne Dinge zu genießen.

Depressive entwickeln oft automatisch negative Gedanken, erwarten immer das Schlimmste. Sie verallgemeinern («das passiert immer nur mir»), schätzen das eigene Können gering in und nehmen eigene Fehler zu wichtig. Depression beeinträchtigt auch das Denken. Auf der formalen Ebene durch Grübeln und Verlangsamung, inhaltlich durch Verarmung oder Wahn.

Ganz häufig zu finden seien auch die Morgen- oder Abendtiefs, sagt Schmidt. Da meine die Familie dann oft, der Kranke sei einfach nur «stinkefaul».

Die Behandlung der Depression reicht von psychotherapeutischen Verfahren über Medikamente bis zu biologischen Verfahren wie die Lichttherapie. Im Allgäu könne man sich das Licht aus der Röhre allerdings schenken, stellte Schmidt fest. Da brauche man nur um die Mittagszeit eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Auch Schlafentzug helfe. Wenn Schlaf eine Nacht entzogen würde, sei die Depression weg. Nachteil Nummer 1: Sowie der Patient wieder geschlafen hat, ist auch die Krankheit wieder da.

Nachteil Nummer 2: Die Nachtschwestern in den Kliniken bekämen «oft die Krätze», weil es so ein «zähes Geschind» ist, die Leute am Schlafen zu hindern, so Schmidt. Die Frage, ob Depression ausgeheilt werden kann, bejahte Schmidt. Sie könne allerdings auch wiederkommen. «Wie lange zieht sich das hin - mit Behandlung?», wollte eine Frau wissen. «Ein paar Monate», sagt Schmidt. Und ohne Behandlung? «Auch ein paar Monate», lautet die Antwort, die die Zuhörer zum Lachen bringt.

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