Allgäu
Den Bauernhof in gute Hände übergeben

Feierabend heißt eine Serie der Buchloer Zeitung. Sie porträtiert Menschen, die im Ruhestand auf ihr Arbeitsleben zurückblicken, die Bilanz ziehen. Und: Sie berichten von Dingen, wofür sie nun, im neuen Lebensabschnitt, endlich Zeit haben.

Hausen Am Morgen gegen 7 Uhr gemütlich auf der Eckbank neben dem warmen Kachelofen sitzen, ausgiebig frühstücken und in Ruhe die Buchloer Zeitung lesen - vor ein paar Jahren wäre das für Johann und Luitgard Port noch undenkbar gewesen. Um diese Uhrzeit standen sie da schon lange im Stall, holten Futter und versorgten das Vieh.

Das Ehepaar aus Hausen betrieb viele Jahre einen rund 40 Hektar großen Bauernhof, den es 1994 an den ältesten Sohn Michael und dessen Frau Elisabeth übergeben hat. Seitdem genießen Johann und Luitgard Port die freie Zeit und widmen sich ihren Hobbys. Aus der Welt sind die gebürtigen Hausener nicht. Direkt neben dem Hof haben sie ihr Austragshaus (siehe Infokasten) gebaut, in dem sie seit 1988 wohnen. Sie sind froh, dass sich Sohn Michael schon immer für die Landwirtschaft interessierte, den Meister machte und den Betrieb übernahm.

Täglich an die frische Luft

Die Arbeit auf dem Hof lässt vor allem den 80-Jährigen auch heute noch nicht los. Mehrmals am Tag sieht er nach dem Rechten und packt mit an, falls Not am Mann ist. Er ist zufrieden, wenn er am Morgen «aufstehen und an die frische Luft gehen kann» - und sei es, wie derzeit nötig, nur zum Schneeschaufeln. Seine Frau ergänzt schmunzelnd: «Wenn mal gar nichts zu tun ist, geht er in den Wald und schaut dort, ob alles in Ordnung ist.» Die Modernisierung und Technisierung im landwirtschaftlichen Bereich sehen Johann und Luitgard Port positiv. «Alleine würde man das ja nicht mehr schaffen. Früher lebten auf jedem Hof zwei oder drei Knechte und ein Schweizer (Anm. d. Red.

: ein ausgebildeter Melker)», erinnert sich der 80-Jährige, der regelmäßig jeden Freitagabend zum Kartenspielen geht. Die Arbeit sei heutzutage viel leichter als damals - vor allem die Ernte. Wenn sich ihr Mann auf dem Hof beschäftigt, versorgt Luitgard Port den Haushalt und kocht täglich für vier Personen.

Die aktuellen Entwicklungen, unter anderem den Milchpreisverfall und die Freiflächenfotovoltaikanlagen auf Ackerböden, verfolgen Johann und Luitgard Port aufmerksam. «Es gibt immer wieder Durststrecken. Da muss man durch», blickt der ehemalige Bauer aber optimistisch in die Zukunft.

Genügsam ist es, das Ehepaar Port, das gemeinsam sechs Kinder - drei Söhne und drei Töchter - großgezogen hat. Mittlerweile haben sie sechs Enkel. Die 74-Jährige blickt zufrieden auf ein «erfülltes Leben» zurück: «Wir wurden doch vor schlimmeren Dingen verschont.» Selbst über die weiße Pracht, die sich vor der Haustür türmt, will sie sich nicht beklagen: «Jetzt ist eben Winter. Ich freue mich über den Schnee. Jede Jahreszeit hat ihre schönen Seiten.»

Sie und ihr Mann können sich auch noch an die Zeit erinnern, als sie zu Fuß in die Schule nach Honsolgen gehen mussten: «Das konnte im Winter schon mal eine halbe Stunde dauern.» Wenn es ganz schlimm war, wurden Pferde vor einen großen Schlitten gespannt und alle Kinder aus Hausen aufgeladen und ins Nachbardorf zum Unterricht gebracht, erzählt der ehemalige Landwirt.

Und in noch einem Punkt ist sich das Ehepaar absolut einig: Die Söhne und Töchter hatten eine schöne Kindheit in Hausen. «Bei uns war immer etwas los. Da langweilen sich Stadtkinder viel eher, als die auf dem Land», ist sich die 74-Jährige sicher. Vor allem die Buben wollten nicht einmal in den Ferien weg, sondern spielten lieber mit den Nachbarskindern im Dorf.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019