Lindenberg
Den Applaus der Nichtbehinderten genossen

Drei Tage lang hat im Mai auf dem Stadtplatz die Olympische Flamme gelodert. Die Special Olympics waren ein Höhepunkt im Sportjahr, der 100 Behindertensportler und Betreuer in der Disziplin Tischtennis nach Lindenberg geführt hat. Weitere Wettkämpfe wurden in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz ausgetragen. Erfolgreich dabei waren auch Athleten der Lindenberger Lebenshilfe. Die beiden Medaillengewinner Ralf Bollinger (38) und Manfred Jocham (39) berichten stellvertretend von ihren Eindrücken. «Das möchte ich auf jeden Fall wieder erleben», sagt Bollinger.

Was war für Sie das schönste Erlebnis bei den Special Olympics 2009?

Ralf Bollinger: Die Eröffnungsfeier auf dem Stadtplatz. Ich durfte zusammen mit Sonja Matzke, die auch bei der Lebenshilfe ist, die Fahne tragen. (Mit der Lindenberger Skicrosserin Sarah Reisinger und Turn-Olympiateilnehmer Thomas Andergassen aus Lindau waren zudem zwei weitere Sportler dabei, Anm. d. Red.) Manfred Jocham: Für mich war es der dritte Platz beim Skifahren in Imzell. Wir hatten lauter junge Leute im Team, und ich als «Opa» habe eine Medaille im Riesenslalom geholt. Das hat mich sehr gefreut.

Wie haben Sie die Atmosphäre rund um die Wettkämpfe erlebt?

Bollinger: In der Halle war es ordentlich warm. Schön war, dass so viele Zuschauer da waren, die uns angefeuert und geklatscht haben. Das möchte ich auf jeden Fall wieder erleben. Jocham: In der Schwimmhalle in Liechtenstein war es auch so heiß, dass einem der Schweiß runter gelaufen ist. Da war man froh, wenn man im Wasser war. Schön war auch die Eröffnungsfeier: Die Olympische Flamme wurde über das Wasser getragen, dann ist ein Behinderter aus Liechtenstein damit die Treppe hochgelaufen und hat das Feuer entzündet. Und ich habe gleich auf Anhieb Gold geholt.

Was auffallend war: Bei den Special Olympics in Lindenberg waren zwar alle Sportler sehr ehrgeizig, aber der Fair-Play-Gedanke stand dennoch stark im Vordergrund. Sehen Sie sich als Vorbild für andere Sportler?

Bollinger: Ja, ich denke schon. Es gehört dazu, dass man einen Fehler zugibt. Trotzdem will natürlich jeder gewinnen. Für mich war aber auch der dritte Platz gut.

Jocham: Wenn beim Skirennen einer hinfällt und liegen bleibt, dann kann man ihm nicht helfen. Aber im Training geben wir uns schon gegenseitig Tipps, wo es eisige Stellen gibt und man lieber etwas langsamer fährt. Oder auch im Schwimmen: Da muss man am Ende mit beiden Armen anschlagen, aber einer hat es ständig nur mit einer Hand gemacht. Da hab ich ihm gesagt: Du musst beide Hände nehmen, sonst läuft die Uhr weiter. Er hat es dann auch gemacht.

Wie war denn in der Halle das Verhältnis zu den Gegnern?

Bollinger: Ich habe mich mit den Sportlern gut verstanden, die waren alle sehr nett. Leider hatte ich nicht soviel Kontakt, weil ich ja immer spielen musste. Und nach den Wettkämpfen habe ich immer daheim geschlafen. Es gab einen Grillabend im Bayernpark, aber da sind vor allem wir Lindenberger zusammengehockt. Jocham: Ich habe Schwimmer aus Österreich und Liechtenstein kennengelernt. Mit einer Österreicherin habe ich sogar getanzt. Wir haben alle zusammen in einem großen Saal gegessen, so ähnlich wie das Kurhaus in Scheidegg. Das Essen dort war sehr lecker.

Welche Rolle spielt Sport in Ihrem Leben?

Bollinger: Sport bedeutet für mich Bewegung und Abwechslung zur Arbeit. Ich sitze den ganzen Tag, da brauche ich das.

Jocham: Das ist sehr wichtig für mich. Bei Wettkämpfen treffe ich andere Behinderte, mit denen ich mich austauschen und unterhalten kann. Schwimmen macht einfach viel Spaß - und abnehmen tut man dabei auch (klatscht sich schmunzelnd auf seinen Bauch).

Bollinger: Stimmt - ein bisschen was vom Speck geht da schon weg.

Wie oft trainieren Sie?

Bollinger: Einmal alle 14 Tage. Wir trainieren in der TSZ-Halle - und haben einen echt guten Trainer. Jocham: Beim Schwimmen gehen wir einmal pro Monat ins Lindenberger Hallenbad. Vor Wettkämpfen möglichst zweimal. Skifahren geht leider nicht so oft.

Ist das Training für Sie Qual oder Spaß?

Bollinger: Es macht einfach Spaß. Jocham: Beim Schwimmen haben wir es schon auch immer lustig.

Als Krönung haben Sie bei der Sportlerehrung der Stadt Lindenberg die Silbermedaille erhalten. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Bollinger: Für mich ist das sehr wichtig, denn die habe ich zum ersten Mal bekommen. Das war schon ein tolles Erlebnis. Jocham: Für mich war es schon das zweite Mal. Ich habe von der Stadt schon einmal eine bekommen, weil wir bayerischer Meister in der Leichtathletik geworden sind. Es war für mich eine große Ehre, denn als Behinderter bekommt man so eine Auszeichnung nicht so oft. Ich habe das genossen und den Applaus eingesogen, den ich von den nichtbehinderten Sportlern bekommen habe.

Und wo steht Ihre Medaille?

Bollinger: Im Schlafzimmer auf einem Regal. Da hat sie einen Ehrenplatz bekommen. Jocham: Noch auf einem Regal, aber bald kommt sie in mein Büro. Meine anderen Medaillen hängen an der Wand. Da ist aber kein Platz mehr - alles ist voll.

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