• 5. November 2010, 00:00 Uhr
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Vortrag
Demenz betrifft viele

(Foto: Manfred Wünsch)

Der Vortrag über Demenz von Dr. Markus Brenner, Chefarzt der Geriatrieabteilung und der Rehaklinik St. Vinzenz, im Pfrontener Pfarrheim ist auf großes Interesse gestoßen. Die Zuhörer bestätigten in der Diskussion einen großen Informations- und Behandlungsbedarf im Bereich Demenz. Eingeladen hatte der Verein Nachbarschaftliche Unterstützung und Zeitvorsorge (NUZ), der sich intensiv mit dem Thema befasst (siehe eigener Artikel).

Dr. Markus Brenner beantwortete die wichtigsten Fragen: Was ist Demenz? Welche Demenzformen gibt es? Wie wird die Diagnose gestellt und wie geht man bei Behandlung und Betreuung vor? Bei den Medizinern ist Demenz alleine keine Krankheit. Sie sprechen von Gruppen von Krankheiten, die sich in Demenz äußern. In einem langen Prozess kommt es zu Störungen kognitiver Funktionsbereiche wie Gedächtnis-, Denk-, Orientierungs-, Sprachstörungen sowie zu Beeinträchtigungen der Alltagsaktivitäten und -fähigkeiten.

Nicht verwechseln

Man dürfe auf keinen Fall Demenz mit einer Depression verwechseln, die auch Denkstörungen verursachen könne, aber ganz anders behandelt werde. Auch dürfe man akute Verwirrtheitszustände bei älteren Menschen etwa durch Fieber oder nach Operationen nicht mit Demenz verwechseln.

Zudem habe nicht jeder, der im Alter mit dem Gedächtnis Probleme bekomme, eine Demenz. Mit dem Alter steige das Risiko. Von den unter 60-Jährigen seien nur ein Prozent, von den bis 80-Jährigen zehn Prozent und bei den über 90-Jährigen jeder Dritte betroffen.

Häufigste Form: Alzheimer

Die häufigste Demenzform ist Alzheimer. Durch Fehler beim Stoffwechsel reichern sich Eiweißprodukten in Nervenzellen an, die in bestimmten Hirnarealen absterben. Der Patient vergesse schnell neue Informationen, während er alte speichern könne, bis das Gedächtnis total versage. Die zweitwichtigste Demenzart ist die Vaskuläre Demenz durch Arterienverkalkung. An dritter Stelle steht die Lewy-Körper-Krankheit, ähnlich einer Parkinsonkrankheit. Bei Lewykranken kommt es später zu optischen Halluzinationen.

Eine weitere Demenzform ist die frontotemporale-lobäre-Degeneration mit Sprachstörungen und Wesensveränderungen.

Eine Demenzerkrankung ist eine Herausforderung für Pflegepersonal und Angehörige. Wichtig sei, die Würde des Patienten zu erhalten, auf ihn einzugehen und die Welt durch seine Augen zu betrachten. Es gelte, Fähigkeiten und Selbstwertgefühl zu stärken und zu fördern - ihn nicht zu überfordern, Reizüberflutung und Gefahrenquellen zu vermeiden, Bewegung und einen geordneten Tagesablauf in gewohnter Umgebung zu gestalten.

Angehörige sollen sich informieren, Erfahrungen austauschen, einen offenen Umgang pflegen, sich um Finanzierung, Pflegeversicherung, Vorsorgevollmachten, Geschäftsfähigkeiten, Patientenverfügung, Vorsorge- und Pflegedienste kümmern. Wer Hilfe braucht, könne sich an Pflegedienste, Selbsthilfegruppen, Tageseinrichtungen und Pflegeheime wenden. (mw)

NUZ-Einsatzkoordination Hanna Huber ist unter Telefon 08363/5858 oder 0151/25328906 zu erreichen.

Informationen im Internet:

www.nuz-pfronten.de

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