Dem Unrecht ein Gesicht gegeben

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Memmingen | vol | Es war ein ungewöhnliches Bild nach dem Gedicht- und Diskussionsabend im Stadttheater am Freitagabend: Wo sich normalerweise die Menschen an der Garderobe drängen und sich das Gebäude schnell leert, standen überall Gruppen herum und diskutierten angeregt über das eben Gehörte. So nachhaltig war die Wirkung des Abends, in dessen ersten Teil Gedichte von Guantánamo-Häftlingen verlesen wurden, woran sich eine prominent besetzte Podiumsdiskussion anschloss. Besonders die kalkulierte Polemik des streitbarsten Diskussionsteilnehmer Henryk M. Broder sorgte für kontroverse Gespräche.

'Herr Broder hat durch seine extremen Beiträge die Diskussion kaputt gemacht', formulierte beispielsweise Thomas Dexel, der für den Abend extra aus München angereist war. 'Immerhin kam so Leben in die Bude', fand eine Frau neben ihm. Eine andere sagte: 'Der hat das Publikum in ungerechtfertigter Weise beschimpft. Aber der Anwalt von Murat Kurnaz war toll.'

'Ich finde es bemerkenswert, dass Intendant Walter Weyers so etwas hier veranstaltet', lobte Dieter Beck aus Kempten den Hausherren und Moderator des Abends. 'Das Thema wird ja sonst oft vermieden.' Dennoch sei die Diskussion seiner Meinung nach nicht ganz gelungen: 'Es sollte doch eigentlich darum gehen, wie der Rechtsstaat mit Terroristen umgeht.'

Enttäuscht vom Ergebnis der Diskussion zeigte sich auch Sebastian Rudolf aus Amendingen. 'Es war nicht das, was ich mir erwartet habe', bilanzierte er. Die ganze Diskussion sei zu pro-amerikanisch gewesen, das Wesentliche sei untergegangen. Das Wesentliche für ihn: 'Jeder sieht, dass in Guantánamo Unrecht geschieht, dagegen muss man was unternehmen.'

'Großartig, dass so was in Memmingen stattfindet', fand Dietlinde Weinberger aus Würzburg. Seit 30 Jahren ist sie Mitarbeiterin bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Auch wenn sie den Aussagen von Henryk M. Broder insgesamt wenig abgewinnen konnte, kann sie eins doch unterstreichen: 'Er hat darauf hingewiesen, dass es auch anderswo Probleme mit den Menschenrechten gibt, die nicht auf so großes Interesse stoßen.' Auch den ersten Teil des Abends fand sie sehr interessant. Die Gedichte hätten dem Unrecht ein Gesicht gegeben.

Weitere Berichte lesen Sie heute auf Seite 25 'Kultur'.

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