Wildpoldsried
Daumen hoch: Daniel Ulreich fährt zur EM

Stockweitschützen haben es nicht leicht. Wo sollen sie trainieren, da der Weltrekord auf Eis bei etwas mehr als 566 Meter liegt? Daniel Ulreich (27) vom SSV Wildpoldsried war lange darauf angewiesen «irgendwo auf der Straße» hinter dem Ort das beste aus seiner Situation zu machen. An den Wochenenden war es etwas leichter. «Da durften wir in eine Tiefgarage in Sonthofen, die uns von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde.» Der Unterschied zur Straße: «In der Tiefgarage stören wir die Autofahrer nicht und dort müssen wir auch nicht Schnee räumen.» Seit einigen Jahren gibt es in Wildpoldsried auf dem Weg zum Wertstoffhof eine eigene Bahn für Weitschützen.

Gebaut wurde sie im Grunde für Ulreich, der mit Hannes Lindner vom SSC Sonthofen der einzige Allgäuer ist, der diese seltene Sportart erfolgreich betreibt. Nun fahren sie beide am Wochenende zur Europameisterschaft nach Freilassing. Ulreich, der eine erfolgreiche Zeit bei den Junioren (U23) hinter sich hat, startet bei den Männern; Lindner bei den Junioren (U16).

Kraft und Technik verbinden

Weitschießen ist eine Domäne der Ober- und Niederbayern. Von dort kommen auch seit jeher die besten deutschen Schützen. Ulreich ist im Konzert der Großen die Ausnahme. «Ich bin eher zufällig dazu gekommen», sagt er. Vor knapp zwölf Jahren hat ihn ein Freund dazu ermutigt. Zwei Jahre später wurde er in Erkheim dann schon schwäbischer Meister in seiner Altersklasse.

Das Handwerkszeug von Weitschützen ist überschaubar und gut in einer kleinen Tasche zu verstauen. Der Stock besteht aus dem Körper, der Laufsohle an der Unterseite (im Sommer aus Hartplastik, im Winter aus Gummi) und dem Stiel. Er wiegt zwischen vier und fünf Kilo. Den Stock auf die nötige Weite zu bringen, erfordert ein ganzes Mannsbild. Ulreich hat mit 1,88 Meter und 120 Kilo gute Voraussetzungen. Zweimal in der Woche geht es in den Fitnessraum, mehrmals pro Woche trainiert er auf der Bahn. «Die Schwierigkeit beim Weitschießen ist», sagt Ulreich, «Kraft mit Technik zu verbinden. Nur die optimale Kombination führt zu einem gelungenen Versuch.» Auch das Reglement ist nachvollziehbar: Wer am weitesten schießt, gewinnt. Jeder Schütze hat fünf Versuche in einem Wettbewerb; der Beste zählt.

Die Anfänge des Weitschießens gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Verwandt ist diese Sportart mit Curling, mit dem Unterschied: Ein Curling-Stein wiegt 18 Kilo.

Für die Europameisterschaft, die von Freitag bis Sonntag dauert, hat sich Ulreich vorgenommen, «mit der Mannschaft den Titel zu holen und im Einzel ins Finale der besten Sechs zu kommen.»

Weitere Infos zu diesem Sport unter www.weitschießen.de

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