Dauerfehde von Schrebergärtnern endet mit Kopfwunde

Lindau/Westallgäu | enz | War es der Hieb mit einem 'Totschläger', der Stoß mit einer Plastikflasche, ein Unfall oder gar eine Selbstverwundung: Weshalb musste einem 73-jährigen Schrebergärtner eine klaffende Kopfplatzwunde mit acht Stichen genäht werden? Das Gericht entschied sich in der Frage für einen nicht konkret betitelten 'gefährlichen Gegenstand' als Tatwaffe.

Das Urteil für jenen Schrebergärtner, der wegen gefährlicher Körperverletzung an seinem Nachbarn angeklagt war, sieht vor, dass er eine Geldstrafe von 1500 Euro (100 Tagessätze zu 50 Euro) berappen muss. Was diesen mehr wurmen dürfte, sind die zusätzlichen 1000 Euro Schmerzensgeld, die er seinem Widersacher zahlen soll, mit dem er seit vielen Jahren in gärtnerischer Dauerfehde verbunden ist.

Der 64-jährige Angeklagte fingerte aus einer Tragetasche die Überbleibsel gartenzwergähnlicher Figuren. Dabei handelte es sich um Tonkatzen. Er habe seinen Nachbarn dabei überrascht, wie dieser mit einer Bohnenstange über den Zaun hinweg die Katzen zerschlug, so der Angeklagte. Als er den Mann zur Rede stellen wollte, habe dieser gedroht: 'Lass’ mich in Ruhe, sonst haue ich dich auf die Birne.' Danach sei es rund gegangen. Immer im Kreis herum 'ist er mit dem Stock hinter mir her'.

Schließlich, so fuhr der Angeklagte fort, sei es ihm nach schmerzhaften Hieben auf den Rücken gelungen, aus seinem Auto eine Plastikflasche zu holen und damit die Stange aus der Hand des Angreifers zu schlagen. 'Jetzt holt er die Sense', habe er befürchtet, als der Entwaffnete ins Gartenhaus eilte. 'Damit hat er mich schon mal gejagt.'

Statt mit Sense sei sein Nachbar mit blutendem Kopf erschienen. 'Soll ich einen Rettungswagen bestellen', habe er den Verletzten gefragt. Wer wolle einem Nachbarn gram sein, wenn dieser sich das Haupt anschlägt und ärztlicher Hilfe bedarf?, so die sinngemäße Einschätzung des Angeklagten.

Der seinerzeit Verletzte war ob der Unschuldsbeteuerungen außer sich: 'Schade, dass wir keinen Lügendetektor hier haben.' Auch ohne diesen könne er beweisen, dass der Angeklagte ein Lügner sei.

Nach Marder gestochert

Fakt sei, dass sein Nachbar ein 30 Zentimeter langes Eisen unter dem Autositz herausgezogen und die im Auto sitzende Ehefrau gefragt habe: 'Soll ich ihn totschlagen oder nicht? Du darfst bestimmen?' Von dem Rundeisen, einer Art Totschläger, sei er dann am Kopf getroffen worden. Sein Stochern mit der Bohnenstange, so der Schrebergärtner, habe einem im Gebüsch vermuteten Marder gegolten.

Der Verteidiger des Angeklagten bemühte als Entlastung zwei Versionen: Zum einen könne sich der 73-Jährige die Kopfwunde bei einem Anstoß gegen ein Regal zugezogen oder aber er könne sich die Wunde selbst zugefügt haben.

Dass das Gericht beide Varianten ablehnte, ließ den Anwalt resignieren: 'Es ist mir ein Rätsel, warum das Gericht dem einen Schrebergärtner mehr glaubt als dem anderen.'

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