Das Wild weniger stören

Von Ingo Buchelt | Pfronten Lassen sich am Breitenberg die Interessen von Wald, Wild und Freizeitnutzung unter einen Hut bringen? Wie geht es mit dem Skitourenlauf in Pfronten weiter? In einer Expertenrunde im Rahmen des Alpenverein-Projekts 'Skibergsteigen umweltfreundlich' prallten die Meinungen aufeinander.

Die Vertreter von Wildbiologie, Jagd, Forst und Rechtlerverband forderten einen stärkeren Schutz des Wildes im Bereich des Wildgatters auf der Südwestseite des Breitenbergs. Für Albin Zeitler, Wildbiologe aus Immenstadt, und Berufsjäger Klaus Zahn tragen Wanderer, Rodler und Schneeschuhgeher zur Beunruhigung des Rotwildes bei. Dadurch erhöhten sich die Verbissschäden, beklagte Bernd Mayer vom Pfrontener Rechtlerverband. Auch Skitourengeher nutzen Zahn zufolge die Tour von der Enge zum Breitenberg oder umgekehrt die Abfahrt, wenn es die Schneelage zulässt. Auch sie stören das Wild.

Der Weg von der Enge zum Breitenberg kann und soll nicht angetastet werden. Also den Skitourenlauf einschränken? Der Pfrontener Bergführer Toni Freudig mahnte, dass Skitouren auch künftig in Pfronten möglich sein müssten. 'Wir leben vom Tourismus. Und zum Tourismus gehört auch der Skitourenlauf', brach Freudig eine Lanze für die in die Schusslinie geratenen Skitourenläufer. 'Wir wollen nicht verbieten, sondern kanalisieren', versuchte Janina Schaper von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt zu vermitteln. Die aktiven Bergsteiger unter den Experten waren sich einig, dass die Route nur noch selten begangen wird und nur in Insiderkreisen bekannt ist. Dabei soll es bleiben.

Auch am touristisch stark genutzten Edelsberg sieht Zeitler in punktuellen Bereichen Handlungsbedarf zum Schutz von Raufußhühnern. 'Die Lösungen müssen jedoch die Handschrift der Beteiligten tragen', schränkte Zeitler ein. Auch die Routen auf der Ostseite des Edels-bergs würden ganz überwiegend von Einheimischen begangen, wurde argumentiert.

Matthias Scheerschmidt, Zweiter Vorsitzender der Alpenvereinssektion Pfronten, und Hartmut Münchenbach, der das Erfolgsprojekt am Schönkahler koordiniert hatte, lehnten die Ausweisung und Beschilderung neuer Routen an Breitenberg und Edelsberg ab. Wenn dadurch mehr Skitourenläufer angezogen würden, erhöhe sich der Druck auf die Tiere. Durch geeignete Maßnahmen sollten vielmehr Ski- und Schneeschuhgeher an den sensiblen Bereichen vorbei gelenkt werden, schlugen sie vor. Die Einzelheiten sollen noch geklärt werden. In vier, sechs Wochen will man sich wieder treffen.

Keine Verbotszonen, Konsenslösungen sind gefragt

Die Ergebnisse der Begehungen müssen ausgewertet werden. Schon jetzt zeichnet sich ab: Verbotszonen und Sperrungen will niemand, Konsenslösungen sind gefragt. Für Pfrontens Bürgermeister Beppo Zeislmeier, der die Diskussion moderierte, können die konkurrierenden Nutzungen problemlos nebeneinander bestehen. Er setzt auf Kooperation und Freiwilligkeit, Aufklärung und Akzeptanz. Jeder sei eingeladen, seine Vorstellungen einzubringen, so Zeislmeier zum Abschluss der ersten Etappe auf dem Weg in die Zukunft des Skitourenlaufs in Pfronten.

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