Das Sterben gehört zum Leben

Füssen(ves). - 'Es ist mir eine furchtbare Vorstellung, dass Sterbende ihren Weg alleine gehen müssen', sagt Traudel Kreisle. Deshalb begleitet und betreut sie Menschen, die den Tod erwarten. Sie ist eine von sieben Hospizhelfern im Füssener Raum. Nun werden weitere Hilfswillige gesucht. Eine 'Lebensbegleitung für Sterbende' bietet der Hospizverein an. 'Angehörige, Pflegepersonal, Ärzte oder andere Menschen, die mit dem Kranken zusammen sind, können sich bei uns melden', erklärt die regionale Einsatzleiterin Brigitte Engelhard-Lechner. Als Wichtigstes werde geklärt, ob der Sterbende wirklich eine Begleitung wünscht. Dann überlegt die Einsatzleitung, welcher Hospizhelfer die Begleitung übernehmen könnte, und der Helfer und der Kranke werden miteinander bekannt gemacht. Nur wenn auch der Betreute mit seinem Helfer einverstanden ist, dann beginne der 'Einsatz', so Engelhard-Lechner. Zwei mal zwei Stunden in der Woche als Zeitaufwand seien der Mindestrahmen, schildert Veronika Stich. sie hat die Füssener Hospizgruppe initiiert. Wichtig sei auch hierbei: Immer den Bedürfnissen des Sterbenden zu entsprechen.

Tun, was dem Kranken gut tut Das ist die Grundidee der Hospizbewegung: Einfach zu tun, was dem Kranken gut tut. 'Manchmal kann man letzte Wünsche erfüllen', schildert Barbara Schumann. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein. So organisiert der Helfer vielleicht eine Fahrt ins Café oder holt den Lebenspartner, der dies allein nicht schaffen würde, ans Krankenhausbett. Ganz unterschiedlich sehen die Begleitungen aus, dauern manchmal Monate, manchmal nur einen einzigen Tag. Natürlich werde oft geredet, erzählen die Helfer, jedoch nicht jeder suche das Gespräch. Und mancher Todkranke könne auch gar nicht mehr sprechen. Die Hand zu halten sei dann eine Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Jedoch: 'Körperkontakt ist auch nicht jedermanns Sache', weiß Jutta Schäfer. 'Es ist die größte Kunst', sagt Kreisle, zu erspüren, was der Strebende will. Darauf wurden die Hospizhelfer in ihrer Ausbildung vorbereitet: Dort lernten sie Signale zu deuten. Zudem werden in regelmäßigen Treffen Schwierigkeiten und Fragen besprochen. Die Rückkoppelung empfinden sie als äußerst wichtig. Dass keine Information über die Betreuten nach außen dringt, sei durch die Schweigepflicht gewährleistet.

Zusage nicht bereut Die Hospizhelfer sehen sich nicht nur als Begleiter für allein stehende Sterbende, sondern auch als Entlastung für Familien. Sie betonen, dass sie kein Ersatz für einen Pflegedienst sind. Aber sie sind Gesprächspartner für die Angehörigen, können diese in der Betreuung abwechseln und passen auch einmal auf die Kinder auf, damit der Partner eine Zeit der Zweisamkeit mit dem Sterbenden hat. 'Dadurch ist oft möglich, dass der Betroffenen zuhause stirbt und ihn die Angehörigen nicht doch noch ins Krankenhaus bringen. Einfach weil sie nicht mehr können, obwohl sie das nie wollten', erzählt Jutta Schäfer. Das ist ein großer Teil ihrer Motivation für das Engagement als Hospizhelfer. Und sie bereut ihre Zusage nicht: 'Wir bekommen sehr viel zurück.' Beschenkt fühlen sich die Hospizhelfer durch ihre Arbeit: 'Wenn ich sehe, wie sich die Sterbenden an die positiven Stationen ihres Lebens erinnern, bekomme ich so eine Hochachtung', schildert Kreisle. Den Blick aufs Wesentliche erhalte sie so. Und die Erkenntnis: 'Leben und Sterben gehört doch zusammen.' i In der Füssener Hospizgruppe arbeiten Helfer mit unterschiedlichsten Berufen und aller Altersgruppen zusammen. Sie suchen Unterstützung. Eine Schulung beginnt im Herbst. Nähere Informationen dazu und zur Hilfe durch den Hospizverein gibt Brigitte Engelhard-Lechner unter Telefon (08367) 9139191

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